„Ihr erscheint mir abstoßend, ekelerregend!“ rief sie aus, mehr und mehr in Erbitterung geratend. „Eure Thränen sind — nur Wasser! Ihr habt mich nie geliebt, in Euch ist kein Herz und kein Adel! Ihr seid für mich abstoßend, häßlich, fremd, ja — vollkommen fremd geworden!“ Voll Schmerz und Wut brachte sie das für sie selbst furchtbare Wort „fremd“ heraus.

Er blickte nach ihr hin; die Wut, welche sich auf ihren Zügen malte, erschreckte und befremdete ihn; er begriff nicht, daß sein Mitleid mit ihr sie in Erregung versetzte. Sah sie in demselben doch eben nur das Mitleid mit ihr und nicht die Liebe. „Nein, sie haßt mich, sie verzeiht mir nicht,“ dachte er bei sich.

„Es ist furchtbar, furchtbar!“ fuhr er fort.

In diesem Augenblick schrie in einem Nebenzimmer ein kleines Kind auf, welches gefallen sein mochte; Darja Alexandrowna horchte auf und ihre Züge wurden plötzlich weich. Sie besann sich noch einige Sekunden, als wüßte sie nicht, wo sie sei und was sie thun solle, dann bewegte sie sich, schnell aufstehend, nach der Thür.

„Aber sie liebt doch mein Kind,“ dachte er, die Veränderung in ihrem Gesicht bei dem Geschrei des Kindes ‚seines Kindes‘ bemerkend; „wie sollte sie mich da hassen können?“

„Dolly, noch ein Wort,“ begann er, zu ihr hintretend.

„Wenn Ihr mir nachkommt, rufe ich die Leute und die Kinder herbei! Alle sollen wissen, was Ihr für ein — Niedriger seid! Ich fahre jetzt fort, Ihr aber werdet hier mit Eurer Liebhaberin bleiben!“

Sie ging hinaus, die Thür hinter sich zuschlagend.

Stefan Arkadjewitsch seufzte, er wischte sich das Gesicht ab und verließ mit leisen Schritten das Gemach.