„Für mich bist du besser als alles in der Welt.“
„Ich weiß schon, Mama,“ lächelte Sergey.
Anna hatte ihren Kaffee noch nicht ganz genommen, als man ihr die Gräfin Lydia Iwanowna meldete.
Die Gräfin Lydia Iwanowna war eine hochgewachsene volle Dame mit gelblicher, ungesunder Gesichtsfarbe und schönen sinnigen, schwarzen Augen.
Anna liebte sie, aber heute war es ihr, als erblicke sie die Freundin zum erstenmale mit allen ihren Mängeln.
„Nun, liebste Freundin, habt Ihr den Ölzweig nach Moskau getragen?“ frug die Gräfin, kaum nachdem sie das Zimmer betreten hatte.
„Ei gewiß; es ist alles geschehen, aber die ganze Sache war doch nicht von solcher Bedeutung, wie wir glaubten,“ antwortete Anna. „Im allgemeinen fand ich meine belle soeur nur zu sehr gefaßt.“
Die Gräfin Lydia Iwanowna, welche sich für alles das am meisten interessierte, was sie nichts anging, hatte indessen nichtsdestoweniger die Gewohnheit, niemals das zu Ende zu hören, was sie eben interessierte; sie unterbrach daher Anna:
„Ja, es giebt viel Herzeleid und Sünde in der Welt; auch ich bin heute ganz angegriffen.“
„Was ist Euch?“ frug Anna, mit Mühe ein Lächeln unterdrückend.