Der Körper, welcher hier des Lebens beraubt wurde, war ihre Liebe, oder vielmehr die erste Periode derselben. Es lag etwas Furchtbares, Abstoßendes in den Erinnerungen an das, was jetzt mit einem so furchtbaren Preis von Schande bezahlt worden war.
Die Scham über ihre seelische Entblößung erstickte sie und teilte sich auch ihm mit. Aber nicht genug, daß das ganze Entsetzen des Mörders vor der Leiche des Getöteten hier zu Tage trat, es galt jetzt auch, den Leichnam in Stücke zu zerschneiden, den Kadaver zu verstecken, es galt das auszunutzen, was der Mörder durch seinen Mord erworben hatte.
Mit Erbitterung, gleichsam voll Leidenschaft, wirft sich der Mörder auf diesen Leichnam, er zerrt ihn herum und zertrennt ihn.
So bedeckte auch er jetzt ihr Gesicht, ihre Schultern mit Küssen. Sie hielt seine Hand fest und bewegte sich nicht. Diese Küsse waren das, was erkauft worden war durch Schande; diese Hand da, die ihr fürderhin sein sollte, — war die Hand ihres Mitschuldigen.
Sie hob diese Hand und küßte sie; er fiel auf seine Kniee nieder und suchte ihr Angesicht zu sehen, aber sie barg es und sprach nicht.
Endlich, gleichsam als sammle sie alle Kräfte, erhob sie sich und stieß ihn weg. Noch immer war ihr Antlitz schön, doch desto mehr war es beklagenswert.
„Vorbei,“ sagte sie, „ich habe nun nichts mehr, als dich. Denke daran.“
„Ich kann nicht nur denken an das, was ja mein ganzes Leben ist. Für die Minute dieser Seligkeit“ —
„Welche Seligkeit!“ antwortete sie mit Ekel und Entsetzen, und ihr Schrecken teilte sich unwillkürlich auch ihm mit. „Um Gott; kein Wort, kein Wort mehr!“
Sie erhob sich schnell und entfernte sich von ihm.