„Gut, aber wenn er nun nicht nach dem Willen der Mutter gehandelt hätte, sondern einfach selbständig“ — sagte Kity, im Gefühl, daß sie ihr eigenes Geheimnis verrate, und daß ihr Gesicht, flammend von der Röte der Scham, sie bereits überführt habe.
„Dann hätte er unrecht gehandelt und ich müßte ihn tadeln,“ antwortete Warenka, die offenbar erkannt hatte, daß die Sache nicht mehr sie, sondern Kity anging.
„Und die Kränkung?“ sagte Kity, „die Kränkung läßt sich nicht vergessen, die läßt sich nicht vergessen!“ Sie entsann sich bei diesen Worten jenes Bildes auf dem letzten Balle, während der Pause der Ballmusik.
„Inwiefern ist hierbei Kränkung? Ihr habt doch ja nicht schlecht gehandelt?“
„Schlechter als schlecht — schmachvoll!“
Warenka schüttelte das Haupt und legte ihre Hand auf den Arm Kitys.
„Inwiefern denn schmachvoll?“ sagte sie, „Ihr konntet doch dem Manne, der gleichgültig gegen Euch war, nicht sagen, daß Ihr ihn liebtet?“
„Natürlich nicht. Ich habe nie ein Wort davon gesagt, aber er hat es gewußt. Nein, nein, es giebt doch Blicke und Bewegungen. Sollte ich hundert Jahre leben, ich werde es nicht vergessen.“
„Was heißt das? Ich verstehe nicht. Es kann sich doch nur darum handeln, ob Ihr ihn jetzt noch liebt oder nicht,“ fuhr Warenka fort, die Dinge mit dem Namen benennend.
„Ich hasse ihn; und kann mir nie vergeben!“