Sie hatte ihr Wirtschaftswesen jetzt mit Hilfe Marja Philimonownas so verbessert, daß sie gar keine Lust hatte, noch etwas an demselben zu verändern, und dann glaubte sie auch gar nicht an Lewins Kenntnisse im Ökonomiewesen. So erschienen ihr seine Urteile, daß die Kuh eine Maschine für die Milchfabrikation sei, bedenkenerregend, und sie meinte, daß solche Auffassungen der Ökonomie nur im Wege stehen könnten. Ihr dünkte dies alles bei weitem einfacher; es war eben nur erforderlich, wie schon Marja Philimonowna auseinandergesetzt hatte, der Bunten und der Weißen mehr Futter zu geben und zu vermeiden, daß der Koch aus der Küche das Spülichtwasser in den Kuhstall trug. Das lag offen zu Tage, auch die Ausführungen über Kraft- und Grünfütterung waren bedenklich und unklar. Ihr selbst hatte vorzugsweise überhaupt daran gelegen, von Kity zu sprechen.
10.
„Kity schreibt mir, daß sie nichts so sehr ersehne, als Einsamkeit und Ruhe,“ sagte Dolly, nach einer eingetretenen Pause.
„Wie steht es denn mit ihrer Gesundheit, ist sie besser?“ frug Lewin in Erregung.
„Gott sei Dank, sie ist vollkommen wiederhergestellt; ich habe überhaupt nie geglaubt, daß sie ein Brustleiden gehabt hätte.“
„Ach, das freut mich außerordentlich,“ antwortete Lewin, und Dolly schien etwas Rührung Erweckendes, Hilfloses in seinen Zügen hervortreten zu sehen, als er dies gesagt hatte und sie nun schweigend anblickte.
„Hört doch einmal, Konstantin Dmitritsch,“ begann Darja Aleksandrowna mit ihrem gutmütigen, ein wenig schelmischen Lächeln, „weshalb seid Ihr denn eigentlich auf Kity bös!“
„Ich? Ich zürne ihr nicht,“ antwortete Lewin.
„Nein, Ihr zürnt ihr nicht? Weshalb seid Ihr denn dann weder zu uns, noch zu Kitys Eltern gekommen, als Ihr in Petersburg waret?“
„Darja Aleksandrowna,“ begann Lewin, bis in die Haarwurzeln errötend, „ich bin eigentlich in Verwunderung darüber, daß Ihr, mit Eurer Herzensgüte, dies nicht fühlt. Wie kommt es, daß Ihr nicht geradezu Mitleid mit mir empfindet, da Ihr doch wißt“ —