Wiederum empfand sie, wie ihre Seele sich zu spalten begann. Sie erschrak von neuem über dieses Gefühl und klammerte sich an den ersten besten Vorwand, nur etwas zu thun, welcher sie von den Gedanken über sie selbst abziehen könnte.
„Ich muß Aleksey sehen,“ — so nannte sie Wronskiy in Gedanken, — „er allein kann mir sagen, was ich zu thun habe. Ich will zu Bezzy fahren, vielleicht sehe ich ihn dort,“ sagte sie zu sich selbst, vollständig übersehend, daß ihr Wronskiy erst gestern, als sie ihm sagte, sie würde nicht zur Fürstin Twerskaja fahren, geantwortet hatte, dann würde er auch nicht hinkommen.
Sie trat an den Tisch und schrieb an ihren Mann: „Ich habe Euer Schreiben erhalten. A.“ — Hierauf schellte sie und übergab den Brief dem Diener.
„Wir werden nicht reisen,“ sagte sie der eintretenden Annuschka.
„Gar nicht?“
„Nein, doch packt bis morgen nicht aus und auch der Wagen bleibt. Ich will zur Fürstin!“ —
„Welches Kleid befehlen Sie?“ —
17.
Die Croquetgesellschaft, zu welcher die Fürstin Twerskaja Anna geladen hatte, konnte nur aus zwei Damen und deren Rittern bestehen. Die beiden Damen waren die hervorragendsten Repräsentantinnen eines auserwählten neuen Petersburger Cirkels, der sich in der Nachahmung einer gewissen Nachahmung „Les sept merveilles du monde“ nannte.
Diese Damen gehörten allerdings zu dem höchsten Cirkel, aber auch zugleich zu einem, welcher dem von Anna besuchten durchaus feindlich gegenüberstand. Überdies hatte der alte Stremoff, einer der einflußreichsten Männer Petersburgs und gleichzeitiger Verehrer von Lisa Merkalowa, amtlich den Aleksey Aleksandrowitsch zu seinem Gegner. In Erwägung alles dessen, hatte Anna nicht kommen wollen und auf ihre Absage bezogen sich Winke in dem Billet der Fürstin Twerskaja. Nun wünschte Anna, in der Hoffnung, Wronskiy zu treffen, hinzufahren.