Sappho Stolz war eine Blondine mit schwarzen Augen. Sie erschien in kleinen, kecken Halbschuhen mit hohen Absätzen und drückte den Damen derb nach Männerart die Hand.
Anna war dieser neuen Berühmtheit noch nie begegnet; sie fühlte sich überrascht von ihrer Schönheit, sowie der Überspanntheit, bis zu welcher ihre Toilette ging, und von der Freiheit ihrer Manieren.
Auf ihrem Haupte war, von ihrem eigenen und falschen Haar in zartem Goldblond, eine Art Schaffot von Frisur aufgebaut, so daß der Kopf in seiner Größe der schönen hohen und vorn sehr dekolletierten Büste nahe kam. Die Knappheit nach vorn war so stark, daß sich in jeder Bewegung unter der Robe die Formen der Kniee und Oberschenkel abzeichneten und unwillkürlich drängte sich die Frage auf, wo eigentlich von hinten in diesem schwankenden Berge der wirkliche, ziemlich kleine, aber wohlgebaute Leib, der oben ebenso entblößt war, wie er sich hinten und unten versteckte, aufhöre.
Bezzy beeilte sich, sie mit Anna bekannt zu machen.
„Könnt Ihr Euch vorstellen, soeben hätten wir zwei Soldaten fast überfahren,“ begann sie sogleich zu erzählen, mit den Augen zwinkernd und lächelnd und ihren hinteren Aufbau, der sich plötzlich zu sehr auf die eine Seite geneigt hatte, in Ordnung rückend. „Ich fuhr mit Waska — ach so, Ihr seid ja noch gar nicht miteinander bekannt.“ Und seinen Familiennamen nennend, stellte sie den jungen Mann vor, errötend, und laut über ihren Fehler lachend, oder vielmehr darüber, daß sie ihn als Unbekannten so familiär Waska genannt hatte.
Waska machte nochmals eine Verbeugung vor Anna, ohne indessen ein Wort zu ihr zu sprechen. Er wandte sich an Sappho:
„Die Wette ist verloren, wir sind früher angekommen; nun zahlt gefälligst,“ lächelte er. Sappho begann noch lustiger zu lachen.
„Nicht jetzt,“ sagte sie.
„Gleichviel, ich werde es auch nachher bekommen.“