„Nun, im folgenden. Nehmen wir an, du wärest verheiratet, liebtest dein Weib, würdest aber von einer anderen verführt“ —

„Entschuldige, das verstehe ich entschieden nicht, ebensowenig, wie ich etwa — es ist ja gleich was ich nehme — wie ich nicht begreifen könnte, wenn ich mir jetzt, nachdem wir uns satt gegessen haben, an einem Bäckerladen vorübergehend, eine Semmel stehlen sollte.“

Die Augen Stefan Arkadjewitschs glänzten mehr als gewöhnlich.

„Weshalb das? Die Semmel kann bisweilen so appetitlich duften, daß du es doch nicht aushältst:

„Himmlisch ist's, wenn ich bezwungen
Meine irdische Begier;
Aber doch, wenn's nicht gelungen,
Hatt' ich auch recht hübsch Plaisir.“

Stefan Arkadjewitsch lächelte fein bei diesen Worten, auch Lewin konnte gleichfalls nicht umhin zu lächeln.

„Ja, aber ohne Scherz,“ fuhr Oblonskiy fort, „stelle dir vor, daß ein Frauenzimmer ein liebes, sanftes, liebevolles Wesen, arm, einsam, sich ganz dir opfert. Jetzt, da die Sache schon vollendet ist — verstehe recht — muß es da verlassen werden? Nehmen wir an, man müsse sich trennen, um das Familienleben nicht zu zerstören, soll man das arme Geschöpf da nicht bemitleiden, nicht unterstützen und seine Not nicht lindern?“

„O, entschuldige mich doch. Du weißt, daß alle Weiber für mich in zwei Klassen zerfallen, oder nein — richtiger — es giebt Weiber und es giebt — ich habe noch keine reizenden, gefallenen Geschöpfe gesehen und will keine sehen; solche aber, wie jene geschminkte Französin dort im Kontor mit ihren Bändern, sind für mich Unrat; überhaupt alle gefallenen sind es.“ —

„Und die Büßerin in der Bibel?“