„Eben deswegen will ich es ja nicht.“
Aleksey Aleksandrowitsch blieb mit erschrecktem und schuldbewußtem Ausdruck stehen und wollte leise wieder umkehren, allein er kam zu der Ansicht, daß dies seiner unwürdig sei und kehrte wieder um, hustete, und schritt nach dem Schlafzimmer. Die Stimmen verstummten und er trat ein.
Anna saß in einem grauen Hauskleid, mit kurz frisiertem, dicht emporstehenden schwarzen Haar auf dem runden Kopfe, auf einer Couchette. Wie stets, verschwand bei dem Anblick ihres Gatten plötzlich alles Leben von ihren Zügen; sie senkte das Haupt, und blickte unruhig nach Betsy. Diese, nach der nagelneuesten Mode gekleidet, in einem Hute der auf ihrem Haupte schwebte, wie der Schirm über einer Lampe, und in einer taubenblauen Robe mit scharfhervortretenden, schrägen Streifen, die auf der Taille nach der einen Seite hin, auf dem Rock nach der entgegengesetzten liefen, saß neben Anna, ihre plattaufragende Büste steif haltend, und begrüßte, den Kopf senkend, Aleksey Aleksandrowitsch mit satirischem Lächeln.
„Ah,“ machte sie, wie verwundert, „das freut mich ja außerordentlich, daß Ihr zu Haus seid. Ihr zeigt Euch ja gar nicht und ich habe Euch nicht gesehen seit der Krankheit Annas! Freilich habe ich gehört — Eure großen Sorgen! — Ja, Ihr seid ein bewundernswürdiger Mann!“ sagte sie mit bedeutungsvoller und höflicher Miene, gleich als wollte sie ihn mit einem Orden der Großmut für seine Handlungsweise an der Gattin belohnen.
Aleksey Aleksandrowitsch verbeugte sich kalt, küßte seiner Frau die Hand und erkundigte sich nach ihrem Befinden.
„Es scheint, als ob mir besser wäre,“ sagte diese, seinem Blicke ausweichend.
„Aber Ihr habt noch etwas wie Fieberröte im Gesicht,“ fuhr er fort, das Wort „Fieber“ besonders hervorhebend.
„Ich habe gewiß zu viel mit ihr gesprochen,“ bemerkte Betsy; „und fühle, daß dies ein Egoismus meinerseits gewesen ist. Ich werde sogleich aufbrechen.“
Sie erhob sich, doch Anna, plötzlich errötend, ergriff schnell ihre Hand.
„Nein, bleibt noch, bitte. Ich muß Euch sagen — nein, Euch,“ wandte sie sich an Aleksey Aleksandrowitsch und die Röte überzog ihr Hals und Stirn — „ich will und kann vor Euch kein Geheimnis haben,“ fügte sie hinzu.