„Dies hier wollte ich ihr mitteilen,“ sagte Aleksey Aleksandrowitsch, sich abwendend.

„Ja, ja,“ versetzte Stefan Arkadjewitsch, ohne die Kraft zu antworten, da ihm die aufsteigenden Thränen die Kehle zuschnürten. „Ja, ja. Ich verstehe Euch“ — brachte er endlich hervor.

„Ich wünsche zu wissen, was sie will,“ sagte Aleksey Aleksandrowitsch.

„Ich fürchte, daß sie selbst ihre Lage nicht erkennt. Sie ist kein guter Richter,“ verbesserte sich Stefan Arkadjewitsch, „sie ist erdrückt von deiner Großmut. Wenn sie dieses Schreiben gelesen haben wird, wird sie nicht die Kraft haben, etwas zu sagen, sie wird den Kopf nur noch tiefer senken.“

„Ja, aber was soll man thun in diesem Falle? Wie soll man Klarheit schaffen, ihre Wünsche in Erfahrung bringen?“

„Wenn du mir gestatten willst, meine Meinung zu äußern, so denke ich, daß es von dir abhängt, direkt diejenigen Maßregeln anzuordnen, die du für nötig hältst, um dieser Situation ein Ende zu machen.“

„Du erachtest es also für erforderlich, daß ihr ein Ende gemacht werde?“ unterbrach ihn Aleksey Aleksandrowitsch, „aber wie?“ fügte er hinzu, mit der Hand eine ungewöhnliche Bewegung vor seinen Augen machend, „ich sehe nicht die Möglichkeit eines Ausweges.“

„Es giebt für jede Lage einen Ausweg,“ sagte Stefan Arkadjewitsch, aufstehend und lebhaft werdend, „es gab doch einmal eine Zeit, wo du die Trennung wünschtest — wenn du jetzt überzeugt bist, daß Ihr ein gegenseitiges Glück nicht begründen könnt“ —

— „Der Begriff ‚Glück‘ kann in verschiedener Weise aufgefaßt werden. Aber nehmen wir an, daß ich mit allem einverstanden wäre, und nichts mehr wünschte. Welchen Ausweg gäbe es da aus unserer Lage?“

„Wenn du meine Meinung wissen willst,“ fuhr Stefan Arkadjewitsch, mit dem nämlichen weichen, süßen Lächeln, mit welchem er zu Anna gesprochen hatte, fort. Dieses gutmütige Lächeln war so überzeugend, daß Aleksey Aleksandrowitsch im Gefühl seiner Schwäche und sich ihr fügend, unwillkürlich bereit war, zu glauben, was Stefan Arkadjewitsch sagen würde — „sie wird es niemals aussprechen! Aber eine Möglichkeit ist vorhanden. Eines kann sie wünschen,“ fuhr er fort, „und dies ist die Aufgabe ihrer jetzigen Beziehungen und aller Erinnerungen die sich mit denselben verknüpfen. Nach meiner Ansicht ist in Eurer Lage eine Auseinandersetzung über neue wechselseitige Beziehungen unumgänglich nötig. Und diese Beziehungen können nur auf der Befreiung beider Parteien beruhen.“