Sie erhob sich und umarmte die Schwägerin.
„Wie, schon da?“ sagte sie unter Küssen.
„Dolly, wie freue ich mich, dich zu sehen!“
„Auch ich freue mich,“ erwiderte diese mit schwachem Lächeln und sich bemühend, an dem Gesichtsausdruck Annas zu erkennen, ob diese bereits wisse.
„Wahrscheinlich ist sie schon unterrichtet,“ dachte sie, einen Schimmer von Beileid auf Annas Zügen gewahrend.
„Nun, komme denn, ich will dich in dein Zimmer führen,“ fuhr sie fort, im Bemühen, die Minute der Aussprache so weit als möglich hinauszuschieben.
„Ist das Grischa? Mein Gott, wie groß er geworden ist!“ rief Anna aus, und küßte den Knaben, ohne das Auge von Dolly wegzuwenden; dann blieb sie stehen und errötete.
„Aber nein, jetzt wollen wir nirgendshin gehen!“
Sie nahm ihr Tuch ab, ihren Hut, und verwickelte diesen mit dem Gewirr ihrer schwarzen überall sich hervorwindenden Haare, befreite denselben aber daraus, indem sie mit dem Kopfe schwingende Bewegungen machte.
„O, wie du glänzest von Glück und Gesundheit,“ sagte Dolly fast neidisch.