„Ich weiß, woher es kommt,“ fuhr die Fürstin fort, „er sagt, man müsse junge Leute in der ersten Zeit allein lassen.“

„So hat Papa auch uns gelassen. Wir haben ihn noch nicht wiedergesehen,“ sagte Kity, „und was wären wir denn für junge Eheleute? Wir sind doch schon so alt!“

„Nun, wenn er nicht kommt, muß ich euch verlassen, Kinder,“ sprach die Fürstin, bekümmert seufzend.

„Was ist dir, Mama?“ fielen ihr beide Töchter ins Wort. „Bedenke doch, sein Befinden — wir sind doch jetzt“ —

— Die Stimme der alten Fürstin begann plötzlich und unverhofft zu schwanken. Die Töchter verstummten und blickten sich gegenseitig an. „Maman findet stets eine rührende Seite für sich,“ sagten sie mit diesem Blick. Sie wußten nicht, daß, so wohl sich auch die Fürstin bei ihrer Tochter befand, so notwendig sie sich für diese auch hier fühlte, es ihr gleichwohl qualvoll traurig zu Mute war, ihr, wie ihrem Gatten, seit der Zeit, seit welcher sie ihre letzte geliebte Tochter verheiratet hatten, und das elterliche Heim verödet war.

„Was ist Euch, Agathe Michailowna?“ frug Kity plötzlich die mit geheimnisvoller Miene und bedeutungsvollem Gesicht stehen gebliebene Agathe Michailowna.

„Die Bestimmung für das Abendessen.“

„Schön so,“ sagte Dolly, „gehe du, um deine Verfügungen zu treffen, ich will mit Grischa dessen Lektion wiederholen; er hat ohnehin heute noch nichts gethan.“

„Laß mich doch diese Lektion geben! Nein, Dolly, ich will gehen“ — sagte Lewin aufspringend.

Grischa, welcher bereits das Gymnasium besuchte, mußte im Sommer seine Lektionen repetieren. Darja Aleksandrowna, welche schon in Moskau mit ihrem Sohne zugleich die lateinische Sprache gelernt hatte, hatte es sich, nachdem sie zu Lewin gekommen war, zum Gesetz gemacht, mit ersterem die schwierigsten Lektionen im Lateinischen und der Arithmetik, wenigstens einmal täglich, zu repetieren.