Lewin war verdrießlich geworden, daß man ihn im Schießen gestört und die Pferde in den Sumpf geführt hatte, hauptsächlich aber auch, daß bei dem Ausspannen der Pferde, was erforderlich war um sie wieder freizumachen, weder Stefan Arkadjewitsch, noch Wjeslowskij ihm und dem Kutscher Hilfe leisteten, weil weder dieser noch jener auch nur den geringsten Begriff davon hatte, worin eigentlich das Anschirren bestehe. Ohne Wjeslowskij ein Wort auf dessen Versicherung, es sei hier ganz trocken, zu antworten, arbeitete Lewin schweigend mit dem Kutscher daran, die Pferde zu befreien.

Als er indessen bei der Arbeit warm geworden war und sah, wie beflissen und eifrig Wjeslowskij den Wagen an der Deichselstange zog, sodaß er diese sogar abbrach, machte er sich selbst Vorwürfe darüber, daß er unter dem Einfluß der gestrigen Empfindung allzu kalt gegen Wjeslowskij gewesen war, und bemühte sich mit besonderer Liebenswürdigkeit seine Barschheit wieder gutzumachen.

Nachdem alles wieder in Ordnung gebracht war, und die Wagen sich wieder auf dem Wege befanden, ließ Lewin das Frühstück bringen.

Bon appétit — bonne conscience! Ce poulet va tomber jusqu'au fond de mes bottes,“ sagte Wjeslowskij, wieder lustig geworden, mit einem französischen Sprichwort, ein zweites Hühnchen verspeisend. „Jetzt sind unsere Leiden zu Ende und alles wird nun glücklich gehen. Nur will ich wegen meines Vergehens dazu gezwungen sein, auf dem Bocke zu sitzen. Ist es nicht recht so? Nein, ich bin Automedon! Paßt auf, wie ich Euch fahren werde!“ versetzte er, ohne die Zügel loszugeben, als ihn Lewin bat, den Kutscher fahren zu lassen. „Nein; ich muß mein Vergehen wieder gut machen, und befinde mich ganz wohl auf dem Bocke,“ und er fuhr.

Lewin fürchtete ein wenig, er möchte die Pferde malträtieren, besonders das Handpferd, einen Fuchs, den er nicht zu lenken verstand; doch unwillkürlich fügte er sich seiner Heiterkeit, lauschte er den Romanzen, welche Wjeslowskij, auf dem Bocke sitzend, den ganzen Weg entlang sang, oder seinen Erzählungen und Vorführungen, wie man auf englische Manier four in hand fahre — und alle fuhren nach dem Frühstück in der heitersten Stimmung nach dem Sumpfe von Gwozdjowo.

10.

Wasjenka trieb die Pferde so schnell, daß sie zu früh bei dem Sumpfe ankamen, und es noch immer heiß war.

Als sie bei der Niederung angelangt waren, dem Hauptziele der Fahrt, dachte Lewin unwillkürlich, wie er Wasjenka los werden und ohne eine Störung jagen könnte. Stefan Arkadjewitsch wünschte augenscheinlich das Nämliche, und auf seinem Gesicht sah Lewin den Ausdruck einer Besorgnis, welche bei dem echten Jäger stets vor Beginn der Jagd da zu sein pflegt, sowie den einer gewissen ihm eigenen gutmütigen Verschlagenheit.

„Wie wollen wir fahren? Der Sumpf ist ausgezeichnet, ich sehe es; auch Habichte sind da,“ sagte Stefan Arkadjewitsch auf zwei über dem Ried kreisende, große Vögel weisend. „Wo Habichte sind, ist sicher auch Wild.“

„Nun, seht ihr Herren,“ sagte Lewin, mit etwas mürrischem Ausdruck seine Stiefel hochziehend und die Pistons auf dem Gewehr nachsehend; „seht ihr diesen Ried?“ Er wies auf eine kleine, dunkel in Schwarzgrün schimmernde Insel, in einem weiten, sich auf dem rechten Ufer des Flusses ausdehnenden, bis zur Hälfte gemähten nassen Wiesengrund. „Der Sumpf beginnt hier, gerade vor uns, seht ihr — wo das Grün ist. Von da geht er rechts, wo die Pferde sind; — hier befinden sich auch Maulwurfshaufen und Bekassinen — dann rund um diese Wiese bis zu jenem Erlenwald und dicht bis zu der Mühle, dort wo man die Bucht sieht. Das ist ein ausgezeichneter Platz; ich habe einmal siebzehn Bekassinen hier geschossen; wir wollen uns nun mit den beiden Hunden nach den verschiedenen Seiten trennen, und dort bei der Mühle wieder zusammenkommen.“