Lewin gelüstete es stark, einmal Branntwein zu trinken, und ein Stück Brot zu essen. Er war müde geworden und fühlte, daß er nur noch mit Mühe die einsinkenden Füße aus dem Morast zog; und einen Moment schwankte er. Doch sein Hund hatte gestellt, und sofort war alle Müdigkeit verschwunden; leicht schritt er über das Moor hin seinem Hunde zu. Unter seinen Füßen flog eine Bekassine auf, er feuerte und erlegte sie — der Hund stand noch immer. „Los!“ vor dem Hunde erhob sich eine zweite. Lewin schoß; allein der Tag war nicht glücklich; er fehlte, und als er die erlegte Schnepfe suchen wollte, fand er sie nicht einmal. Er suchte den ganzen Ried ab, aber Laska wollte nicht glauben, daß er eine Schnepfe erlegt habe, und als Lewin ihm befahl, zu suchen, that er, als ob er suche, suchte aber nicht.

Auch ohne Wasjenka, welchem Lewin sein Unglück beimaß, wurde also die Sache nicht besser. Bekassinen waren auch hier viel, aber Lewin that Fehlschuß auf Fehlschuß.

Die schrägfallenden Strahlen der Sonne waren noch heiß, die Kleider, von Schweiß durch und durch naß, klebten ihm am Leibe, der linke Stiefel, voller Wasser, war schwer und schmatzte; über das vom Pulverschmand besudelte Gesicht rann der Schweiß in Tropfen, im Munde machte sich ein bitterer Geschmack fühlbar, in der Nase Pulvergeruch und Schlammduft, und in den Ohren klang das unausgesetzte Schnarren der Schnepfen; die Flintenläufe durfte er nicht anrühren, so erhitzt waren sie, das Herz pochte ihm schnell und kurz, die Hände zitterten vor Erregung und die mattgewordenen Beine stolperten und blieben in den Maulwurfhaufen und im Morast stecken; aber er ging weiter und schoß. Endlich, nachdem er wiederum einen schmählichen Fehlschuß gethan, warf er das Gewehr und die Mütze zu Boden.

„Nein; erst muß ich zur Besinnung kommen!“ sagte er zu sich selbst. Flinte und Mütze wieder aufhebend, rief er Laska zu seinen Füßen, und verließ den Ried. Als er auf das Trockene gekommen war, setzte er sich auf einen Erdhaufen, zog sich aus, goß die Stiefel aus, ging dann zum Sumpfe zurück und trank Etwas von dem Wasser mit schlammigem Beigeschmack, feuchtete die glühenden Läufe an und wusch sich Gesicht und Hände. Nachdem er sich so erfrischt hatte, begab er sich wieder nach dem Platze, auf dem sich eine Bekassine niedergesetzt hatte, mit dem festen Vorsatz, nicht in Aufregung zu geraten.

Er wollte ruhig sein, aber es blieb beim Alten. Sein Finger berührte den Drücker früher, als er den Vogel aufs Korn genommen hatte; es ging schlechter und schlechter.

Er hatte nur fünf Stück in seiner Jagdtasche, als er aus dem Ried heraus zu dem Erlenwalde kam, wo er mit Stefan Arkadjewitsch zusammentreffen sollte.

Bevor er diesen jedoch selbst erblickte, gewahrte er seinen Hund. Hinter der Wurzel einer Erle hervor sprang Krak, ganz schwarz von übelriechendem Moorschlamm, und beschnüffelte Laska mit dem Ausdruck des Siegers. Hinter Krak erschien im Schatten der Erlen nun auch die stattliche Gestalt Stefan Arkadjewitschs, der ihm, rot aussehend, schweißbedeckt mit aufgeknöpftem Kragen, noch immer hinkend, entgegenkam.

„Nun, wie steht es? Ihr habt viel geschossen!“ sagte er heiter lächelnd.

„Und du?“ frug Lewin. Das Fragen war indes nicht nötig, weil er schon die gefüllte Jagdtasche erblickt hatte.