„Habt Ihr schon das letzte Cirkular im ‚Journal de St. Petersbourg‘ gelesen? Ich finde es vortrefflich,“ sagte er mit etwas französischem Accent.
Lewin teilte ihm mit, was er von Katawasoff vernommen hatte, und was man in Petersburg spräche, und berichtete, nachdem er über die Politik gesprochen hatte, von seiner Bekanntschaft mit Metroff und seiner Exkursion in die Sitzung. Lwoff interessierte dies sehr.
„Ich beneide Euch, daß Ihr Zutritt zu dieser interessanten Gelehrtenwelt habt,“ sagte er, und ging dann, wie gewöhnlich sogleich zu der ihm bequemeren französischen Sprache über. „Ich habe allerdings leider auch keine Zeit; denn mein Dienst sowohl, als die Beschäftigung mit meinen Kindern beraubt mich derselben; dann aber scheue ich mich nicht, zu bekennen, daß meine Bildung allzu mangelhaft ist.“
„Das glaube ich nicht,“ antwortete Lewin lächelnd, und, wie gewöhnlich, voll Erbarmen mit dieser niedrigen Meinung von sich selbst, die durchaus nicht dem Wunsche, bescheiden zu erscheinen oder zu sein, entsprang, sondern vollständig aufrichtig war.
„Ach, gewiß doch! Ich fühle es jetzt, wie wenig gebildet ich bin. Selbst zur Erziehung der Kinder muß ich viel wieder an meinem Gedächtnis auffrischen, ja geradezu lernen! Denn trotzdem, daß Lehrer da sind, muß auch ein Aufseher da sein, sowie in Eurer Ökonomie Arbeiter nötig sind nebst einem Inspektor. Da lese ich eben“ — er zeigte auf die Grammatik Buslajeffs, welche auf dem Lesepult lag, „das fordert man von Mischa, und es ist doch so schwierig — erklärt mir dies. Hier sagt er“ —
Lewin wollte ihm erklären, daß man dies nicht verstehen könne, sondern lernen müsse, doch Lwoff stimmte dem nicht bei.
„Ihr lacht darüber!“ sagte er.
„Im Gegenteil, Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie ich, im Hinblick auf Euch, stets studiere, was mir auch bevorsteht, die Erziehung von Kindern!“
„Nun, aber das Lernen taugt doch nichts,“ sagte Lwoff.