„Arseniy geht bis ins Extrem, ich sage es immer,“ bemerkte seine Gattin. „Wenn man Vollkommenheiten suchen will, so wird man nie zufrieden werden, und Papa sagt die Wahrheit damit, daß es, als man uns noch erzog, nur ein einziges Mittel gab — man steckte uns ins Entresol; während die Eltern in der Bel-Etage wohnten; jetzt hingegen möchten die Eltern in die Rumpelkammer und die Kinder in die Bel-Etage! Die Eltern möchten jetzt schon gar nicht mehr selbst leben, sondern nur noch für ihre Kinder.“
„Aber wie, wenn dies das Angenehmere wäre?“ sagte Lwoff, mit seinem schönen Lächeln, ihren Arm berührend. „Wer dich nicht kennt, wird glauben, du seist keine Mutter, sondern eine Stiefmutter.“
„Nein; das Extrem ist nie gut,“ sagte Nataly ruhig, sein Papiermesser auf den Tisch an den dafür bestimmten Platz legend.
„Nun kommt einmal her, ihr Musterkinder,“ sagte Lwoff zu seinen eintretenden hübschen Knaben, welche, Lewin begrüßend, zu ihrem Vater traten, offenbar in dem Wunsche, ihn nach etwas zu fragen.
Lewin wollte mit ihnen reden und hören, was sie dem Vater zu sagen hätten, aber Nataly begann mit ihm zu sprechen und soeben trat auch ein Kollege Lwoffs im Amte, Machotin, in Hofuniform ein, um mit Lwoff zusammen jemand zu treffen; es begann ein eifriges Gespräch über die Herzogowina, die Fürstin Korzynska, die Duma und den plötzlichen Tod der Apraksina.
Lewin hatte den ihm gegebenen Auftrag ganz vergessen. Er erinnerte sich desselben erst beim Verlassen des Vorzimmers.
„Ach, Kity hat mir ja anvertraut, ich möchte Etwas mit Euch betreffs Oblonskiys besprechen,“ sagte er, als Lwoff auf der Treppe stehen blieb, indem er sein Weib und ihn hinausbegleitete.
„Ja, ja, maman wünscht, daß wir, les beaux-frères, ihn vornehmen,“ sagte er errötend, „aber weshalb wohl ich dabei sein soll?“ —
„So werde ich ihn vornehmen,“ sagte die Lwowa lächelnd, das Ende des Gesprächs abwartend; „doch jetzt kommt!“