„Ich habe zu Mama geschickt, fahre du möglichst schnell nach der Lisabetha Petrowna — mein Konstantin — es ist nichts; schon vorüber“ — Sie verließ ihn und schellte. „Also geh jetzt; Pascha kommt. Mir fehlt nichts.“

Mit Verwunderung sah Lewin, daß sie die Strickerei ergriff, die sie am Abend mitgebracht hatte und von neuem zu stricken begann.

Während Lewin durch die eine Thür hinausging, hörte er noch, wie das Mädchen durch die andere hereintrat. Er blieb an der Thür stehen und vernahm, wie Kity der Zofe ausführliche Anweisungen erteilte, und mit ihr selbst das Bett zu rücken begann.

Er kleidete sich an und eilte, bis man die Pferde angespannt haben würde — ein Mietgeschirr war noch nicht zu haben — wieder nach dem Schlafzimmer, nicht auf den Fußspitzen, sondern auf Flügeln wie ihm schien.

Zwei Mädchen räumten geschäftig um im Schlafzimmer; Kity selbst ging umher und strickte, schnell die Maschen werfend und Anordnungen dabei treffend.

„Ich werde sogleich zum Arzte eilen. Nach der Lisabetha Petrowna ist man gefahren; ich aber will erst noch hin, ist nicht noch etwas nötig? Soll ich zu Dolly?“

Sie blickte ihn an, offenbar ohne zu hören, was er sprach.

„Ja, ja. Geh,“ sprach sie schnell, sich verfinsternd und ihm mit der Hand zuwinkend. Er war schon in den Salon hinaus, als plötzlich ein klägliches, sogleich wieder verstummendes Stöhnen aus dem Schlafzimmer ertönte. Er blieb stehen und konnte lange nicht verstehen.

„Ja; das war sie,“ sagte er zu sich selbst und lief, sich nach dem Kopfe greifend, hinab. „Gott erbarme dich! Vergieb mir und steh' mir bei!“ stammelte er mit Worten, die gleichsam plötzlich und unerwartet ihm über die Lippen kamen. Er, der da nicht glaubte, wiederholte diese Worte nicht nur mit dem Munde allein. Jetzt, in dieser Minute erkannte er, daß nicht nur alle seine Zweifel, sondern auch die Unmöglichkeit, aus Verstandesgründen zu glauben, die er in sich selbst wahrgenommen hatte, ihn keineswegs daran verhinderten, sich an Gott zu wenden. Alles das flog ihm jetzt wie Staub von seiner Seele herunter. An wen sollte er sich wenden, wenn nicht an den, in dessen Händen er sich fühlte, seine Seele und seine Liebe?