„Bolgarinoff seinerseits ist völlig einverstanden,“ sagte Stefan Arkadjewitsch errötend. Er errötete bei der Erwähnung dieses Namens, weil er erst am nämlichen Tage früh bei dem Juden Bolgarinoff gewesen war und dieser Besuch einen unangenehmen Eindruck in ihm hinterlassen hatte.
Stefan Arkadjewitsch wußte genau, daß das Unternehmen, dem er seine Kräfte weihen wollte, neu, lebensfähig und solid war, aber am heutigen Morgen, als Bolgarinoff ihn offenbar mit Absicht zwei Stunden mit anderen Bittstellern im Empfangszimmer hatte warten lassen, da war es ihm dennoch plötzlich peinlich zu Mute geworden. Ob nun deswegen, daß er, ein Nachkomme Rjuriks, ein Fürst Oblonskiy, zwei Stunden in dem Empfangszimmer eines Juden wartete, oder weil er zum erstenmal im Leben das Beispiel der Vorfahren, der Regierung zu dienen, nicht befolgt hatte und eine neue Laufbahn betrat; jedenfalls war ihm höchst unbehaglich zu Mute gewesen.
Während der zwei Stunden seines Wartens bei Bolgarinoff hatte Stefan Arkadjewitsch, schnell im Empfangssalon auf und abgehend, sich den Lockenbart streichend, mit anderen Bittstellern Gespräche anknüpfend, und über einen Kalauer nachdenkend, den er darüber zum besten geben wollte, wie er bei dem Juden gewartet habe, geflissentlich vor den anderen, ja selbst vor sich, das Gefühl, welches er empfand, verborgen. Er war während dieser ganzen Zeit in unbehaglicher und verdrießlicher Stimmung gewesen, ohne daß er wußte, wie dies kam; ob vielleicht daher, daß aus dem Kalauer, in dem er sich versuchte, nichts wurde — er lautete: „ich hatt' es zu thun mit Juden und dafür mußt' ich bluten“[C] — oder aus einem anderen Grunde.
Nachdem ihn nun endlich Bolgarinoff mit außerordentlicher Höflichkeit empfangen, augenscheinlich im Triumph über seine Erniedrigung, und ihm einen fast abschläglichen Bescheid erteilt hatte, suchte er dies so schnell als möglich zu vergessen. Jetzt indessen, als er sich hieran erinnerte, errötete er.
Fußnote:
[C] Der Originaltext lautet: „bylo djelo do żyda, i ja dożidalsja“, „es gab mit einem Juden Etwas zu thun und ich mußte tüchtig warten“.
18.
„Jetzt habe ich noch ein Anliegen, und du weißt ja welches. Es betrifft Anna,“ sagte Stefan Arkadjewitsch, nachdem er eine Weile geschwiegen, und den unangenehmen Eindruck von sich abgeschüttelt hatte.
Kaum hatte Oblonskiy den Namen Annas ausgesprochen, so veränderte sich das Gesicht Aleksey Aleksandrowitschs vollständig; anstatt der früheren Lebhaftigkeit drückte es Ermüdung und etwas Totenhaftes aus.
„Was wollt Ihr denn gerade von mir?“ sagte er, sich im Sessel wendend und sein Pincenez zusammenklemmend.