„Im Gegenteil; wir müssen davon reden, und einander beistehen.“

„Nun ja, ohne Zweifel, es bleibt aber doch ein gewisser Unterschied in den Überzeugungen und dabei“ — sagte Oblonskiy mit geschmeidigem Lächeln.

„Es kann keinen Unterschied geben in Sachen der heiligen Wahrheit.“

„Ja, ja, gewiß, doch“ — und in Verlegenheit geratend, verstummte Stefan Arkadjewitsch. Er hatte erkannt, daß es sich um die Religion handelte.

„Mir scheint, er wird sogleich einschlafen,“ sagte Aleksey Aleksandrowitsch bedeutungsvoll flüsternd, indem er zu Lydia Iwanowna herantrat.

Stefan Arkadjewitsch schaute sich um. Landau saß am Fenster, auf die Armlehne und Rücklehne eines Sessels gestützt, mit herniedergesunkenem Haupte. Als er die auf ihn gerichteten Blicke bemerkte, hob er den Kopf und lächelte kindlich-naiv.

„Beobachtet ihn nicht,“ sagte Lydia Iwanowna, mit leichter Bewegung ihren Stuhl zu Aleksey Aleksandrowitsch rückend, „ich habe bemerkt“ — begann sie, als der Diener mit einem Briefe in das Zimmer trat. Lydia Iwanowna durchflog schnell das Billet, und schrieb dann, nachdem sie um Entschuldigung gebeten, mit außerordentlicher Schnelligkeit etwas nieder, gab die Antwort hinaus und wandte sich wieder zu dem Tische. „Ich habe bemerkt,“ fuhr sie in dem begonnenen Gespräch fort, „daß die Moskauer, insbesondere die Herren, die gleichgültigsten Menschen der Religion gegenüber sind.“

„O nein Gräfin, mir scheint, daß die Moskauer im Rufe stehen, die glaubenstreuesten Menschen zu sein,“ antwortete Stefan Arkadjewitsch.

„Nun, soviel ich es verstehe, seid Ihr leider einer der Gleichgültigen,“ sagte Aleksey Aleksandrowitsch, sich mit mattem Lächeln an ihn wendend.