Das Haus warf seinen Schatten bereits über die ganze Straße; es war ein klarer, noch warmer und sonniger Abend.
Sowohl Annuschka, die ihr mit den Sachen folgte, als Peter, welcher dieselben im Wagen unterbrachte und der Kutscher, der augenblicklich schlechte Laune hatte — alle waren ihr widerlich und reizten sie mit ihren Worten und Bewegungen.
„Ich brauche dich nicht, Peter!“
„Aber das Billet?“
„Nun, wie du willst, mir ist alles gleich,“ sprach sie verdrießlich.
Peter stieg hinten auf und befahl, die Hände in die Seite gestützt, nach dem Bahnhof zu fahren.
30.
„Da ist es wieder! Wieder erfasse ich alles,“ sprach Anna zu sich, sobald der Wagen sich in Bewegung gesetzt hatte, schütternd über das Pflaster fuhr, und die Eindrücke sich wiederum, einer nach dem andern, abwechselten. „Was dachte ich denn zuletzt so Angenehmes,“ suchte sie in ihrer Erinnerung. „>Tjutkin, Coiffeur?‘ — Nein, das war es nicht. Ach ja, wovon Jaschwin gesprochen: Der Kampf ums Dasein und der Haß, sie sind das Eine, was die Menschheit zusammenhält. — O, Ihr fahrt umsonst,“ wandte sie sich in Gedanken zu einer Gesellschaft, die in einer Tschetwernja dahinfuhr, wohl um sich außerhalb der Stadt zu vergnügen. „Auch der Hund, den Ihr da mit Euch führt, wird Euch nichts helfen; Ihr werdet Euch nicht voneinander verlieren.“ Indem sie den Blick nach der Seite richtete, nach der sich Peter wandte, erblickte sie einen fast bis zur Besinnungslosigkeit berauschten Fabrikarbeiter mit wackelndem Kopfe, den ein Polizist führte.
„Da der — das geht schon eher;“ dachte sie, „dieses Vergnügen habe ich mit dem Grafen Wronskiy noch nicht genossen, obwohl ich viel von ihm erwartet hatte.“ Zum erstenmale ließ Anna jetzt die scharfe Beleuchtung, unter der sie alles erblickte, auf ihre Beziehungen zu ihm fallen, über die sie nachzudenken vorher vermieden hatte.
„Was hat er in mir gesucht? Liebe doch nicht so sehr, als mehr eine Befriedigung seiner Eitelkeit.“