„Mitjucha, Konstantin Dmitritsch, warum sollte der es nicht thun! Der drückt die Menschen und nimmt sich schon das Seine. Den dauert kein Christenmensch. Onkel Fokanitsch aber,“ so nannte er den Bauern Platon, „zieht der etwa dem Menschen das Fell über die Ohren? Hier giebt er eine Schuldforderung, dort erläßt er — oder nimmt selbst gar nichts. Das ist auch ein Mensch.“
„Aber warum erläßt er Etwas.“
„Nun, die Leute sind eben verschieden. Der eine lebt nur für seinen Leib, wenigstens Mitjucha; der stopft sich nur den Wanst voll, aber Fokanitsch — das ist ein rechtschaffener alter Mann. Er lebt nur für sein Seelenheil, und denkt an Gott!“
„Wie soll er denn an Gott denken? Wie soll er nur für sein Seelenheil leben?“ schrie Lewin fast.
„Nun, das ist doch bekannt, nach der Gerechtigkeit, in Gott. Die Menschen sind eben verschieden! Man braucht ja nur Euch anzusehen; Ihr beleidigt auch keinen Menschen.“
„Nun leb' wohl,“ fuhr Lewin fort, vor Erregung tief Atem holend, ergriff, sich nun umwendend, seinen Stock und schritt eilig dem Hause zu.
Bei den Worten des Bauern, daß Fokanitsch für sein Seelenheil, nach der Gerechtigkeit und in Gott lebe, waren ihm unklare, aber wichtige Ideen in Masse, als hätten sie sich aus einem Gewahrsam freigemacht, gekommen, und diese alle wirbelten nun, nach einem Ziele strebend, in seinem Kopfe herum und blendeten ihn mit ihrem Licht.
12.
Lewin ging mit großen Schritten die Landstraße entlang, weniger seinen Gedanken Gehör gebend — er vermochte noch nicht, sie zu sichten — als mit seinem Seelenzustand beschäftigt, der jetzt so war, wie er ihn noch nie an sich kennen gelernt hatte.
Die Worte, die ihm von dem Bauern gesagt worden waren, brachten in seiner Seele die Wirkung eines elektrischen Funkens hervor, der plötzlich erscheint, zusammengesetzt aus einer ganzen Schar gesonderter, unkräftiger Gedanken, die nicht aufhörten, ihn zu beschäftigen. Diese Gedanken hatten ihn, ohne daß er es merkte, schon während der Zeit, als er von dem Landverkauf sprach, beschäftigt.