Er erinnerte sich, daß er schon auf Iwan ungehalten gewesen war, seinem Bruder Kälte gezeigt und mit Katawasoff oberflächlich zu sprechen angefangen hatte.

„Sollte das doch nur eine zeitweilige Stimmung gewesen sein, welche vorübergeht, ohne eine Spur zu hinterlassen?“ dachte er.

Doch im nämlichen Augenblick, indem er sich seiner Stimmung zuwandte, empfand er voll Freude, daß etwas Neues und Bedeutsames in ihm vorging. Die Wirklichkeit hatte nur für einige Zeit jene seelische Ruhe überdeckt, die er gefunden hatte, diese aber war noch unversehrt in ihm.

Gleichwie die Bienen, welche ihn jetzt umschwirrten, ihm drohten und ihn weglockten, ihn seiner vollen physischen Ruhe beraubten, ihn zwangen, sich zu krümmen und ihnen auszuweichen, so hatten ihn die Sorgen, seit dem Augenblick an ihn herangetreten, da er sich in den Wagen gesetzt hatte, seiner geistigen Freiheit beraubt; aber dies währte nur so lange, bis er mitten unter ihnen war.

Wie seine körperliche Kraft unversehrt in ihm lebte, so war auch die Kraft seines Geistes, deren er sich aufs neue bewußt geworden war, noch unversehrt in ihm.

15.

„Weißt du, Konstantin, mit wem Sergey Iwanowitsch hierher gefahren ist?“ frug Dolly, unter ihre Kinder Gurken und Honig verteilend, „mit Wronskiy! Er geht nach Serbien!“

„Und nicht etwa nur allein; er führt eine Eskadron auf seine eigenen Kosten mit!“ sagte Katawasoff.

„Das sieht ihm ähnlich,“ sagte Lewin. „Ziehen denn noch immer Freiwillige hinaus?“ fügte er mit einem Blick auf Sergey Iwanowitsch hinzu.

Dieser nahm, ohne zu antworten, behutsam aus der Tasse, auf welcher eine weiße Honigscheibe lag, mit dem Taschenmesser eine noch lebende, in dem flüssigen Honig klebende Biene heraus.