„Weshalb weinst du denn Mama?“ sagte er, vollständig aus dem Schlafe erwacht. „Mama, weshalb weinst du?“ rief er aus mit weinerlicher Stimme.
„Ich weine nicht; ich weine vor Freude; ich habe dich so lange nicht gesehen. Nein, ich werde nicht, werde nicht weinen,“ sagte sie, ihre Thränen verschluckend und sich abwendend. „Nun, jetzt mußt du dich aber ankleiden,“ fügte sie, sich aufrichtend hinzu, und setzte sich, ohne seine Hände loszulassen, neben seinem Bett auf einen Stuhl, auf welchem sein Anzug bereit lag.
„Wie kleidest du dich ohne mich an? Wie“ — wollte sie natürlich und heiter zu sprechen beginnen, aber sie vermochte es nicht, und wandte sich abermals ab.
„Ich wasche mich nicht in kaltem Wasser. Papa hat es nicht gestattet. Aber Wasiliy Lukitsch, den hast du wohl noch nicht gesehen? Er wird gleich kommen. Du hast dich ja auf mein Kleid gesetzt!“
Sergey lachte auf; sie blickte ihn an und lächelte.
„Mama, mein Herz, meine Taube!“ rief er aus, sich wieder ihr entgegenwerfend und sie umfangend. Es war, als ob er jetzt erst, indem er ihr Lächeln erblickte, klar erkannt hätte, was vorgefallen sei. „Das ist nicht nötig,“ sagte er, ihr den Hut abnehmend, und gleichsam, als ob er sie aufs neue ohne den Hut erkännte, warf er sich abermals ihr entgegen, um sie zu küssen.
„Aber was hast du von mir gedacht? Du hast nicht gemeint, daß ich tot sei?“
„Niemals habe ich es geglaubt.“
„Du hast es nicht geglaubt, mein Herz?“
„Ich habe gewußt, gewußt!“ wiederholte er mit seiner Lieblingsphrase, und begann, nachdem er ihre Hand ergriffen, die mit seinem Haar spielte, sie mit der inneren Fläche an seinen Mund zu pressen und zu küssen.