Priester. Ein Werk von Renan. »Das Leben Jesu« nämlich.
Semjonowitsch. Nun sieh einer! Solche Bücher lesen Sie!
Priester (zündet sich in der Verlegenheit eine Zigarette an). Nikolai Iwanowitsch hat es mir zur Durchsicht gegeben.
Alexandra (verächtlich). So, so, Nikolai Iwanowitsch hat es Ihnen zur Durchsicht gegeben. Sind Sie denn mit Nikolai Iwanowitsch und diesem Herrn Renan einer Meinung?
Priester. Natürlich bin ich das nicht. Wenn es der Fall wäre, wäre ich nämlich kein Diener der Kirche mehr.
Alexandra. Wenn Sie ein treuer Diener der Kirche sind, weshalb überzeugen Sie dann Nikolai Iwanowitsch nicht?
Priester. In diesen Dingen kann nämlich jeder seine eigenen Gedanken haben, und Nikolai Iwanowitsch hat in mancher Hinsicht recht. In der Hauptsache aber, bezüglich der Kirche, hat er sozusagen unrecht.
Alexandra (verächtlich). In welcher Hinsicht hat denn Nikolai Iwanowitsch recht? Etwa, daß man nach der Bergpredigt sein Vermögen an Fremde geben und die eigene Familie betteln lassen soll?
Priester. Die Kirche heiligt sozusagen die Familie, und die Kirchenväter haben sie gesegnet; die höhere Vollkommenheit fordert aber doch sozusagen Verzicht auf irdische Güter.
Alexandra. Gewiß, Glaubensstreiter haben so gehandelt: einfache Sterbliche aber, denke ich, müssen so handeln, wie es sich für brave Christen geziemt.