Der Untersuchungsrichter: Besitzen Sie diesen Brief?

Karenin: Der Brief ist verloren gegangen.

Der Untersuchungsrichter: Merkwürdig, daß alles das, was geeignet wäre, das Gericht von der Richtigkeit Ihrer Angaben zu überzeugen, verloren gegangen und nicht zur Stelle ist.

Karenin: Wünschen Sie sonst noch etwas?

Der Untersuchungsrichter: Ich wünsche weiter nichts als meine Pflicht zu erfüllen; Ihnen aber liegt ob, sich zu rechtfertigen, und ich habe soeben Frau Protasowa einen Rat gegeben und möchte ebendenselben auch Ihnen erteilen: nicht zu verheimlichen, was doch für einen jeden offensichtlich ist, und alles so zu erzählen, wie es sich in Wirklichkeit zugetragen hat. Um so mehr, da Herr Protasow schon alles so ausgesagt hat, wie es gewesen ist, und wahrscheinlich auch vor Gericht bei seiner Aussage verbleiben wird. Ich möchte Ihnen raten ...

Karenin: Ich würde Sie bitten, sich innerhalb des Rahmens der Erfüllung Ihrer Pflichten zu halten und Ihre Ratschläge beiseite zu lassen. Dürfen wir weggehen? (Er tritt zu Lisa hin; sie steht auf und nimmt seinen Arm.)

Der Untersuchungsrichter: Ich bedauere lebhaft, daß ich Sie noch zurückhalten muß ... (Karenin wendet sich erstaunt um.) O nein, nicht in dem Sinne, als ob ich Sie verhaften lassen wollte. Wiewohl das zur Erforschung der Wahrheit ganz zweckdienlich sein würde, werde ich doch nicht zu dieser Maßregel greifen. Ich möchte nur Herrn Protasow in Ihrer Gegenwart verhören und Sie mit ihm konfrontieren; Sie werden dabei eine bequeme Möglichkeit haben, ihn der Unwahrheit zu überführen. Bitte, nehmen Sie Platz! (Zum Protokollführer:) Rufen Sie Herrn Protasow herein!

Vierter Auftritt

Der Untersuchungsrichter, der Protokollführer, Lisa, Karenin. Fedja, schmutzig und verkommen, tritt ein.

Fedja (wendet sich zu Lisa und Karenin): Lisa, Jelisaweta Andrejewna, Viktor, ich bin nicht schuld daran. Ich wollte es recht gut machen. Wenn mich aber doch eine Schuld trifft, so verzeiht mir, verzeiht mir! (Er verbeugt sich tief vor ihnen.)