Anna Pawlowna: Aber wie können Sie das nur für möglich halten nach all den garstigen Dingen, die er begangen hat, und nachdem er geschworen hat, dergleichen werde nicht wieder vorkommen, und wenn es doch vorkäme, so verzichte er auf alle seine Rechte als Ehemann und gebe ihr ihre volle Freiheit wieder ...

Karenin: Ja, aber was will die Freiheit einer Frau besagen, die durch die Ehe gebunden ist?

Anna Pawlowna: Es soll die Scheidung erfolgen. Er hat ihr die Scheidung versprochen, und wir werden darauf bestehen.

Karenin: Ja, aber Jelisaweta Andrejewna hat ihn so geliebt ...

Anna Pawlowna: Ach, ihre Liebe ist so harten Prüfungen ausgesetzt gewesen, daß von ihr kaum etwas übriggeblieben ist. Es fallen ihm Trunksucht, Hintergehung und Untreue zur Last. Kann man denn einen solchen Mann lieben?!

Karenin: Der Liebe ist alles möglich.

Anna Pawlowna: Sie reden von Liebe; aber wie kann man denn einen solchen Waschlappen lieben, auf den gar kein Verlaß ist? Was hat er noch jetzt eben für einen Streich begangen! (Sie sieht sich nach der Tür um und beeilt sich mit ihrer Erzählung.) Der ganze Haushalt ist ruiniert, alles versetzt, kein bares Geld vorhanden. Da schickt ihm sein Onkel endlich zweitausend Rubel, um die Zinsen der Schulden zu bezahlen. Er entfernt sich mit diesem Gelde und ist verschwunden. Seine Frau sitzt mit dem kranken Kinde da und wartet; endlich erhält sie einen Brief, sie möchte ihm Wäsche und andere Sachen seines persönlichen Bedarfes schicken.

Karenin: Ja, ja, ich weiß.

Zehnter Auftritt