Karenin (liest weiter): „Aber zur Sache! Eben dieses zwiespältige Gefühl veranlaßt mich dazu, Euren Wunsch in anderer Weise, als Ihr es gewollt habt, zur Ausführung zu bringen. Zu lügen, eine unwürdige Komödie aufzuführen, die Beamten des Konsistoriums zu schmieren, und was der garstigen Dinge mehr sind, all das ist mir widerwärtig und unerträglich. Wie garstig ich auch selbst sein mag, wenn auch garstig in einem anderen Sinne, so kann ich mich doch an diesem garstigen Tun nicht beteiligen; ich kann es einfach nicht. Der andere Ausweg, den ich jetzt einschlage, ist der allereinfachste! Ihr wollt Euch heiraten, um glücklich zu werden; ich bin Euch hinderlich; folglich muß ich aus dem Leben scheiden!...”

Lisa (faßt Karenin an den Arm): Viktor!

Karenin (liest weiter): „... muß ich aus dem Leben scheiden. Und das werde ich auch zur Ausführung bringen. Wenn Ihr diesen Brief erhaltet, bin ich nicht mehr. P.S. Es tut mir sehr leid, daß Ihr mir Geld zur Betreibung der Scheidung geschickt habt. Mir war das unangenehm, und Eurem ganzen Wesen entsprach es nicht. Na, da hilft nun nichts. Ich habe so viele Fehler begangen, da könnt Ihr auch einmal einen begehen. Das Geld geht Euch wieder zu. Mein Ausweg ist kürzer, billiger und sicherer. Um eines bitte ich Euch: seid mir nicht böse und behaltet mich in gutem Andenken! Und noch etwas: hier lebt ein Uhrmacher, namens Jewgenjew; könnt Ihr dem nicht helfen und seine wirtschaftlichen Verhältnisse ordnen? Er ist ein schwacher, aber braver Mensch. Lebt wohl! Fedja.”

Lisa: Er hat sich das Leben genommen! Ja ...

Karenin (klingelt und läuft in das Vorzimmer): Rufen Sie Herrn Wosnesenski zurück!

Lisa: Ich habe es gewußt, ich habe es gewußt! Fedja, lieber Fedja!

Karenin: Lisa!

Lisa: Es ist nicht wahr, nicht wahr, daß ich ihn nicht geliebt hätte und auch jetzt nicht liebte. Ich liebe nur ihn allein. Ich liebe ihn. Und ich habe ihn ins Verderben getrieben! Laß mich! (Wosnesenski tritt ein.)

Siebenter Auftritt

Karenin, Lisa und Wosnesenski.