Pjetuschkow: Wie immer ...
Fedja: Ich bin davon überzeugt und weiß, daß sie rein blieben. Er ist ein religiöser Mensch und hielt eine Ehe ohne kirchlichen Segen für Sünde. Na, sie begannen also die Scheidung zu verlangen; ich sollte dazu meine Einwilligung geben. Wenn aber die Scheidung durchgesetzt werden sollte, mußte ich die ganze Schuld auf mich nehmen und mich zu einer großen Lügerei verstehen. Und das brachte ich nicht fertig. Werden Sie es glauben: es wäre mir leichter geworden, mir das Leben zu nehmen als zu lügen. Und ich wollte mir auch schon das Leben nehmen. Aber da sagte eine gute Person zu mir: „Warum willst du das tun?” Und es wurde alles arrangiert. Ich ließ ihnen einen Abschiedsbrief zukommen, und am andern Tage fand man am Ufer meine Kleider und meine Brieftasche mit verschiedenen an mich gerichteten Briefen. Schwimmen kann ich nicht.
Pjetuschkow: Nun, und wie war es mit der Leiche? Wurde die nicht gefunden?
Fedja: Ja, die wurde gefunden; denken Sie sich nur: eine Woche darauf wurde eine Leiche gefunden. Meine Frau wurde zur Besichtigung hinzugerufen. Die Leiche war schon stark in Verwesung übergegangen. Meine Frau sah sie an. „Ist er es?” wurde sie gefragt. „Ja, er ist es!” antwortete sie. Und dabei blieb es denn auch. Ich wurde begraben, und sie heirateten sich und leben hier und fühlen sich glücklich. Und ich lebe auch; ich lebe und trinke. Gestern ging ich an dem Hause der beiden vorbei. Hinter den Fenstern war Licht; der Schatten eines Menschen glitt an dem Rouleau vorüber. Manchmal ist mir dabei scheußlich zumute; aber manchmal mache ich mir nichts daraus. Scheußlich ist mir zumute, wenn ich kein Geld habe ... (Er trinkt.)
Artemjew (tritt näher): Na, nehmen Sie es nicht übel, ich habe Ihre Geschichte mit angehört. Es ist eine sehr nette und vor allen Dingen eine sehr nützliche Geschichte. Sie sagen, es sei Ihnen scheußlich zumute, wenn es Ihnen an Geld fehle. Allerdings, es gibt nichts Scheußlicheres. Aber Sie in Ihrer Lage müßten doch eigentlich immer Geld haben. Sie sind ja ein Leichnam. Nun gut ...
Fedja: Erlauben Sie! Ihnen habe ich das nicht erzählt, und ich wünsche Ihre Ratschläge nicht.
Artemjew: Ich aber wünsche sie Ihnen dennoch zu geben. Sie sind ein Leichnam, und wenn Sie wieder aufleben, dann sind jene beiden, Ihre Gattin und der betreffende Herr, die sich jetzt so glücklich fühlen, einfach Bigamisten und spazieren günstigsten Falls nach einem nicht allzu entlegenen Verbannungsorte. Also warum sollte es Ihnen an Geld fehlen?
Fedja: Ich ersuche Sie, mich in Ruhe zu lassen.
Artemjew: Schreiben Sie ganz einfach einen Brief! Oder wenn Sie wollen, werde ich einen schreiben; Sie brauchen mir nur die Adresse zu geben. Sie werden mir später noch dankbar sein.
Fedja: Scheren Sie sich weg, sage ich Ihnen! Ich habe Ihnen nichts mitgeteilt.