Während das Pferd angeschirrt wurde, ging das Gespräch wieder zu dem Gegenstande über, um den es sich zu der Zeit gedreht hatte, als Wasili Andrejitsch vor das Fenster gefahren kam. Der Alte beklagte sich bei seinem Nachbar, dem Dorfschulzen, über seinen dritten Sohn, der zu den Feiertagen ihm selbst gar nichts und seiner Frau ein französisches Tuch als Geschenk geschickt hatte.
„Das junge Volk entzieht sich ganz der elterlichen Zucht,“ sagte der Alte.
„Ganz und gar,“ erwiderte der Dorfschulze. „Es ist nicht mehr zum Aushalten. Sie sind gar zu klug geworden. Da zum Beispiel dieser Demotschkin, der hat seinem Vater bei einem Streite den Arm gebrochen. Das kommt alles von der großen Klugheit her; da ist kein Zweifel.“
Nikita hörte zu, blickte den Redenden ins Gesicht und hätte sich offenbar gern ebenfalls an dem Gespräche beteiligt; aber er war von dem Teetrinken vollständig in Anspruch genommen und nickte nur beistimmend mit dem Kopfe. Er trank ein Glas nach dem andern, und es wurde ihm immer wärmer, immer behaglicher. Im weiteren Verlaufe blieb das Gespräch lange bei ein und demselben Gegenstande stehen, bei den schädlichen Folgen der Wirtschaftsteilungen, und das Gespräch hatte offenbar nicht etwa einen theoretischen Charakter, sondern es handelte sich dabei um die Teilung in diesem Hause, eine Teilung, die der zweite Sohn forderte, der hier mit dabei saß und mürrisch schwieg. Augenscheinlich war dies ein wunder Punkt, und diese Frage war für alle Hausgenossen von größtem Interesse; aber aus Anstandsgefühl mochten sie in Gegenwart Fremder ihre Privatangelegenheit nicht erörtern. Indes konnte sich der Alte schließlich doch nicht halten und erklärte mit einer Stimme, der man anhörte, daß ihm die Tränen nahe waren, solange er lebe, werde er in keine Teilung willigen; jetzt habe er, Gott sei Dank, ein wohleingerichtetes Haus; wenn aber die Wirtschaft geteilt würde, dann könnten sie allesamt betteln gehn.
„So wie es bei den Matwejews gegangen ist,“ sagte der Schulze. „Es war ein schönes Anwesen; aber da haben sie es geteilt, und nun hat keiner etwas.“
„Dahin möchtest du es auch bringen,“ wandte sich der Alte an seinen Sohn.
Der Sohn antwortete nichts, und es trat ein unbehagliches Stillschweigen ein. Dieses Stillschweigen unterbrach Peter, der das Pferd angespannt hatte und vor einigen Minuten wieder in die Stube gekommen war. Er hatte, seit er in der Stube war, dem Gespräche zugehört und dabei fortwährend gelächelt.
„Eine solche Geschichte steht auch im Paulson,“ sagte er. „Ein Vater gab seinen Söhnen ein Rutenbündel zum Zerbrechen. Das Bündel konnten sie nicht zerbrechen; aber jede einzelne Rute zerbrachen sie leicht. So ist es hier auch,“ sagte er und lächelte über das ganze Gesicht. „Es ist fertig,“ fügte er hinzu.
„Nun, wenn's fertig ist, dann wollen wir fahren,“ sagte Wasili Andrejitsch. „Und was die Teilung betrifft, Großväterchen, so gib du nur nicht nach. Du hast alles erworben, und du bist Herr darüber. Mach eine Eingabe an den Friedensrichter; der wird schon Ordnung stiften.“
„Immer macht er Randal, immer macht er Randal,“ fuhr der Alte mit weinerlicher Stimme in seinen Klagen fort. „Es ist gar nicht mehr mit ihm auszukommen. Rein des Teufels ist er.“