Es war schon Mittag, als Bauern mit Schaufeln Wasili Andrejitsch und Nikita ausgruben, achtzig Schritt seitwärts von der Landstraße und eine halbe Werst vom Dorfe entfernt.

Der Schnee lag höher, als der Schlitten war; aber die Deichselstangen und das Tuch daran waren noch sichtbar gewesen. Der Braungelbe stand bis an den Bauch im Schnee; der Umlaufriemen und der Sack waren ihm vom Rücken heruntergeglitten. Das Tier sah am ganzen Leibe weiß aus; den toten Kopf hielt es gegen den erstarrten Kehlkopf gedrückt. Die Nüstern waren von Eisstücken erfüllt, die Augen bereift und gleichfalls wie mit gefrorenen Tränen überzogen. Das Pferd war in der einen Nacht so abgemagert, daß nur Haut und Knochen an ihm übriggeblieben waren. Wasili Andrejitschs Körper war starr geworden wie der eines geschlachteten, gefrorenen Tieres, und in derselben Haltung, in der er auf Nikita gelegen hatte, mit gespreizten Beinen, wurde er von diesem herabgewälzt. Die vorstehenden Habichtsaugen waren überfroren, und der offene Mund unter dem kurzgeschnittenen Schnurrbart mit Schnee vollgestopft. Nikita dagegen, obgleich völlig erstarrt, war noch am Leben. Als man ihn aufweckte, war er überzeugt, daß er bereits gestorben sei, und daß das, was mit ihm jetzt geschah, nicht mehr in dieser, sondern in jener Welt vorgehe. Als er das Schreien der Bauern hörte, die ihn ausgruben und Wasili Andrejitschs Leichnam von ihm herunterwälzten, da war er zuerst darüber erstaunt, daß in jener Welt die Bauern ebenso schrien wie auf Erden; nachdem er aber dann begriffen hatte, daß er noch hier in dieser Welt sei, war er darüber eher betrübt als erfreut, namentlich als er merkte, daß ihm an beiden Füßen die Zehen erfroren waren.

Zwei Monate lag Nikita im Krankenhause. Drei Zehen wurden ihm abgenommen; aber die übrigen heilten, so daß er wieder arbeiten konnte. Er lebte noch zwanzig Jahre, zuerst als Knecht, dann in höherem Alter als Wächter. Gestorben ist er erst in diesem Jahre, bei sich zu Hause, wie er sich das gewünscht hatte, unter den Heiligenbildern und mit einer brennenden Wachskerze in der Hand. Vor seinem Tode bat er seine Frau um Verzeihung und verzieh auch ihr den Böttcher, nahm Abschied von seinem Sohne und seinen Enkelkindern und starb, aufrichtig erfreut darüber, daß er durch seinen Tod seinen Sohn und seine Schwiegertochter von der Last eines überflüssigen Essers befreie, sowie darüber, daß er nunmehr wirklich aus diesem Leben, das er satt hatte, in jenes andere Leben übergehe, das ihm von Jahr zu Jahr und von Stunde zu Stunde immer verständlicher und lockender geworden war. Ob es ihm dort, wo er nach diesem wirklichen Tode erwacht ist, besser oder schlechter geht, ob er sich enttäuscht gesehen oder ebendas gefunden hat, was er zu finden erwartete – das werden wir alle bald erfahren.


Anmerkung zur Transkription:

Auf [Seite 24] wurde vor „wie es schien“ ein Komma ergänzt.