14. Im Verschlag.

Das Gefühl der Rührung, mit dem ich Grischa zuhörte, konnte nicht lange anhalten, weil meine Neugierde befriedigt war, weil bei dem Sitzen auf demselben Fleck meine Füße eingeschlafen waren und weil ich mich an dem Flüstern und Stoßen der anderen im Verschlage beteiligen wollte.

Da faßte jemand meine Hand und flüsterte: »Wer ist das?«

Es war so dunkel in dem Verschlage, daß wir uns nicht sehen konnten; an der Berührung und der Stimme dicht an meinem Ohr erkannte ich sofort Katja.

In demselben Augenblick empfand ich ein süßes Zittern und dachte an die Stelle unter dem Busentuch, die ich heute im Walde geküßt hatte. Ich erwiderte nichts auf ihre Frage, sondern ergriff mit beiden Händen ihren Arm, preßte ihn gegen meine Lippen und küßte ihn heftig. Aber damit begnügte ich mich nicht; ohne ihren Arm loszulassen, knöpfte ich vorsichtig den Ärmel auf und bedeckte den Arm von der Handwurzel bis zum Ellbogen an der Stelle, an der zur Ader gelassen wird, mit leidenschaftlichen Küssen. Als ich die Lippen in dieses Grübchen schmiegte, empfand ich einen unbeschreiblichen Genuß und dachte nur an eins – nämlich mit den Lippen nicht zu viel Geräusch zu machen, um mich nicht zu verraten.

Katja zog ihre Hände nicht zurück, sondern suchte mit der anderen meinen Kopf, streichelte mein Gesicht und das Haar und suchte mich fortzudrängen. Dann zog sie, als ob sie sich schämte, schnell ihren Arm zurück und streifte den Ärmel herunter; ich packte ihn aber wieder und preßte ihn noch stärker, bis mir Tränen aus den Augen rannen. Ich tat ihr leid, sie beugte sich über mich und berührte mein Haar. Jetzt war mir so angenehm wie nie im Leben; ich wünschte nur, dieser selige Zustand möchte nie aufhören.

Wie soll ich den Genuß beschreiben, den ich empfand. Es kam hinzu, daß die Haut auf dem Arm, den ich küßte, so zart und weich war, und der Gedanke, daß dieser Arm Katja gehörte, die ich stets geliebt hatte, und von der ich mich morgen, vielleicht auf immer, trennen sollte. Aber was bedeutete dieses süße Weh, das ich empfand und das mir Tränen in die Augen trieb?


Beim Versuch, mich bequemer hinzusetzen, stieß ich unversehens mit dem Fuß gegen einen zerbrochenen Stuhl im Verschlage. Ich weiß nicht, warum das Wolodja sehr komisch vorkam; ich hörte voll Schreck, wie er Ljubotschka etwas (wahrscheinlich sehr Komisches) zuflüsterte und wie beide sich umsonst bemühten, das Lachen zurückzuhalten; dann brachten bald der eine, bald die andere mit der Nase sonderbare, abgerissene Töne hervor, ähnlich dem Wiehern eines Füllens. Die Töne wurden häufiger und lauter. Grischa erhob den Kopf, sah sich um und schlug betend das Kreuz nach allen Seiten. Das kam nun allen so komisch vor, daß Ljubotschka und Wolodja plötzlich in schallendes Gelächter ausbrachen, in das auch Katja einstimmte. Natürlich blieb ich nicht zurück, und wir brachen lärmend und schreiend aus dem Versteck hervor.