»Das ist mein junger Weltmann,« deutete Papa auf Wolodja, »und dieser ein Philosoph, ein gelehrter Herr,« fügte er hinzu, während ich mir beim Küssen der kleinen dunklen Hand der Fürstin mit wunderbarer Deutlichkeit eine Rute in der Hand, und unter der Rute auf einer Bank den kleinen Etienne mit lautem Wehgeschrei: »Au, au, au! ich will's gewiß nicht wieder tun!« samt allem Zubehör vorstellte.
»Außerdem Poet; je vous prie de croire,« fügte Papa hinzu.
»Welcher?« fragte die Fürstin, mich bei der Hand fassend.
»Dieser Struwwelpeter da,« sagte Papa mit vergnügtem Lächeln.
Brauche ich dem Leser, der sich meines neuen Moskauer Anzuges erinnert, zu sagen, wie diese Bemerkung mich kränkte?
Als ich bei dem Spiegel vorbeikam, hatte ich hineingeblickt. Mein Gesicht war rot wie Siegellack; auf der Nase, die noch breiter war als gewöhnlich, und auf der breiten Stirn standen dicke Schweißtropfen; der weiße Kragen lag schief auf dem zimtbraunen Frack; das pomadisierte Haar starrte nach oben; die grauen Augen blickten trübe drein; jeder mußte bemerken, daß ich mich bemühte, nachdenklich auszusehen, in Wirklichkeit aber ein häßlicher, zerstreuter Junge war.
Obgleich ich die sonderbarsten Vorstellungen von Schönheit hatte – sogar Karl Iwanowitsch mit seiner riesigen Nase hielt ich für den schönsten Mann der Welt – wußte ich sehr gut, daß ich häßlich sei, und darin irrte ich mich nicht.
Ich weiß noch sehr gut, wie man, als ich erst sechs Jahre alt war, beim Mittagessen über mein Äußeres sprach und wie Mama sich bemühte, in meinem Gesicht etwas Hübsches zu entdecken; sie meinte, ich hätte kluge Augen, ein angenehmes Lächeln usw., und wie sie schließlich den Einwendungen Papas und dem Augenschein nachgebend, eingestand, daß ich häßlich sei; wie sie nachher, als ich ihr gesegnete Mahlzeit wünschte, meine Wange streichelte und sagte: »Das mußt du dir merken, Nikolenka, daß dich wegen deines Gesichtes niemand lieben wird; deshalb mußt du dich bemühen, ein kluger und guter Junge zu werden.«
Dieses Vorfalls erinnere ich mich sehr gut, und die Worte gaben mir nicht nur die Überzeugung, daß ich niemals hübsch werden würde, sondern sie hatten auch Einfluß auf meine Richtung. Es kam vor, daß mich Verzweiflung ergriff; ich bildete mir ein, für einen Menschen mit so breiter Nase, so dicken Lippen und kleinen Augen gäbe es kein Glück auf Erden; ich betete zu Gott, ein Wunder zu tun und mich in einen hübschen Jungen zu verwandeln; – alles was ich besaß und jemals besitzen würde, hätte ich für ein hübsches Gesicht hingegeben.