's ist wunderbar! entgegnete ein anderer.
Sieh, auch unsere Kasernen haben sie angezündet ... fuhr er seufzend fort. Daran, daß von unsereinem so viele dort gefallen, hat der Franzose noch nicht genug!
Mit knapper Not sind wir lebend von dort fortgekommen, und dafür sei dem Herrn Dank! sagte Waßin.
Aber doch ist es kränkend ...
Ach was, kränkend? Wird »er« denn dort herumspazieren? Wo denkst du hin? ... Gieb' acht, die Unsrigen werden ihm schon alles wieder abnehmen. Wieviel von unsereinem auch dort zu Grunde gegangen, aber, so wahr Gott heilig ist, wenn der Kaiser befiehlt – wird's ihm abgenommen! Werden's ihm denn die Unsrigen so lassen? Gewiß nicht! ... Behalt dir nur die nackten Wände, die Schanzen sind sämtlich in die Luft gesprengt ... Auf dem Hügel hat er sein Fähnchen aufgesteckt, aber in die Stadt wagt er sich nicht.
Wart' nur, mit dir wird schon noch abgerechnet werden ... Laß uns nur Zeit! schloß er, zu den Franzosen gewandt.
Gewiß wird das geschehen! sagte der andere mit Überzeugung.
Auf der ganzen Linie der Sewastopoler Bastionen, die viele Monate hindurch der Schauplatz strotzenden, energischen Lebens gewesen war, die so viele Monate hindurch mit angesehen hatten, wie die Soldaten, einer nach dem andern, hinstarben, die so viele Monate die Furcht, den Haß und endlich das Entzücken der Feinde erregt hatten, auf den Bastionen von Sewastopol war niemand mehr zu sehen. Alles war tot, öde, schrecklich, aber nicht still, – noch immer wurde das Werk der Zerstörung fortgesetzt. Auf der durch frische Explosionen aufgerissenen und eingestürzten Erde lagen überall zerbogene Lafetten auf russischen und feindlichen Leichen, – schwere gußeiserne, für immer verstummte Kanonen, die durch eine fürchterliche Gewalt in Gruben geworfen und halb mit Erde überschüttet waren, – Bomben, Kanonenkugeln, wiederum Leichen, Gruben, Bruchstücke von Balken aus den Blindagen, und wieder stumme Leichen in grauen und blauen Mänteln. Das alles zitterte noch häufig nach und wurde durch die Purpurflamme der Explosion beleuchtet, die fortgesetzt die Luft erschütterte.
Die Feinde sahen, daß etwas Unbegreifliches in dem schrecklichen Sewastopol geschehen war. Diese Explosionen und das Schweigen des Todes auf den Bastionen machten sie erzittern; sie wagten aber unter dem Eindruck des kräftigen, mutigen Widerstands des Tages noch nicht zu glauben, daß ihr unerschütterlicher Feind verschwunden sei, und erwarteten, ohne sich zu rühren, mit Beben das Ende der finstern Nacht.