Die Sonne war noch nicht zu sehen, aber der Gipfel der rechten Seite des Engpasses wurde heller und heller. Die grauen und weißlichen Steine, das gelbgrüne Moos, die taubedeckten Sträucher des Kreuzdorns, der Mispel und der Korkulme traten mit außerordentlicher Deutlichkeit und Plastik in dem durchsichtigen, goldigen Licht der aufgehenden Sonne hervor; dagegen war die andere Seite und der Hohlweg in dichten Nebel gehüllt, der in rauchartigen ungleichen Schichten wogte, feucht und düster, und boten ein unbestimmbares Gemisch von Farben: blaßlila, fast schwarz, dunkelgrün und weiß.

Dicht vor uns an dem dunklen Azur des Horizonts schimmerten in überraschender Helligkeit die hellweißen, matten Massen der Schneeberge mit ihren wunderlichen, bis in die kleinsten Einzelheiten schönen Schatten und Umrissen. Grillen, Heuschrecken und tausend andere Insekten erwachten im hohen Grase und erfüllten die Luft mit ihrem hellen, ununterbrochenen Klingen: es war, als ob eine zahllose Menge winziger Glöckchen in unsern eigenen Ohren tönte. Die Luft duftete nach Wasser, Gras und Nebel, mit einem Wort, sie duftete nach einem schönen Sommermorgen. Der Kapitän schlug Feuer und zündete sein Pfeifchen an, der Geruch des sambrotalischen Tabaks und des Zunders kam mir außerordentlich angenehm vor.

Wir ritten neben dem Weg einher, um die Infanterie schneller einzuholen. Der Kapitän schien nachdenklicher als gewöhnlich, ließ sein daghestanisches Pfeifchen nicht aus dem Munde und stieß bei jedem Schritt mit den Fersen sein Pferd an, das, von einer Seite auf die andere schwankend, eine kaum merkliche, dunkelgrüne Spur in dem feuchten, hohen Grase zurückließ. Unter seinen Füßen flog mit Gackern und mit dem Flügelschlage, bei dem der Jäger unwillkürlich zusammenzuckt, ein Fasan auf und stieg langsam in die Höhe. Der Kapitän schenkte ihm nicht die geringste Aufmerksamkeit.

Wir hatten das Bataillon beinahe schon eingeholt, als hinter uns der Hufschlag eines heransprengenden Pferdes hörbar wurde, und in demselben Augenblick sprengte ein sehr hübscher, junger Bursche in Offiziersuniform und in einer hohen, weißen Fellmütze vorüber. Als er uns erreicht hatte, lächelte er, nickte dem Kapitän zu und schwang sein Peitschchen ... Ich hatte Zeit zu bemerken, daß er mit besonderer Anmut im Sattel saß und die Zügel hielt, und daß er schöne, schwarze Augen, eine feine Nase und ein eben sprossendes Schnurrbärtchen hatte. Besonders hatte mir an ihm gefallen, daß er das Lächeln nicht hatte unterdrücken können, nachdem er gesehen, daß wir Freude an seinem Anblick hatten. Aus diesem Lächeln allein hätte man schon schließen können, daß er noch sehr jung war.

Wohin eilt er? brummte der Kapitän mit mürrischer Miene, ohne den Tschibuck aus dem Munde zu nehmen.

Wer ist das? fragte ich.

Der Fähnrich Alanin, ein Subaltern-Offizier meiner Kompagnie ... Er ist erst im vorigen Monat aus dem Kadettenkorps hierher gekommen.

Er geht gewiß zum erstenmal in eine Schlacht? sagte ich.

Darum ist er auch so glücklich ... – antwortete der Kapitän, tiefsinnig den Kopf wiegend. O, die Jugend!