In der That erwartete man in der Nacht eine Beschießung des Lagers von Seiten des Feindes und am folgenden Tage irgend eine Bewegung. Der Adjutant sprach noch von allerlei allgemeinen Dingen, plötzlich schlug er, wie zufällig, als ob es ihm eben eingefallen wäre, dem Leutnant O. vor, ein kleines Spielchen zu machen. Leutnant O. war wider Erwarten vollständig einverstanden, und sie gingen mit Sch. und dem Fähnrich in das Zelt des Adjutanten, der einen grünen Spieltisch und Karten hatte. Der Kapitän, der Kommandeur unserer Abteilung, ging in sein Zelt schlafen, auch die anderen Herren gingen auseinander und ich blieb mit Guskow allein. Ich hatte mich nicht getäuscht – ich fühlte mich wirklich unbehaglich unter vier Augen mit ihm. Unwillkürlich stand ich auf und begann auf der Batterie auf- und niederzugehen. Guskow ging schweigend neben mir her und machte hastige und unruhige Bewegungen, um nicht hinter mir zurückzubleiben und mir nicht vorauszueilen.
Ich störe Sie doch nicht? sagte er mit sanfter, klagender Stimme.
So viel ich in der Dunkelheit sein Gesicht sehen konnte, schien es mir tief nachdenklich und traurig.
Nicht im mindesten, antwortete ich; da er aber nicht zu sprechen begann, und ich nicht wußte, was ich ihm sagen sollte, gingen wir ziemlich lange schweigend hin und her.
Die Dämmerung war schon vollständig dem Dunkel der Nacht gewichen, über dem schwarzen Umriß des Gebirgs flammte helles Abendwetterleuchten, über unseren Häuptern funkelten am hellblauen Winterhimmel kleine Sterne, von allen Seiten loderten in rotem Schein die Flammen der rauchenden Wachtfeuer, nah vor uns schimmerten die grauen Zelte und der düstere, schwarze Erdwall unserer Batterie durch den Nebel. Vor dem nächsten Wachtfeuer, um das unsere Burschen sich zum Wärmen gelagert hatten und leise plauderten, glänzte von Zeit zu Zeit auf der Batterie das Erz unserer schweren Geschütze und erschien in ihrem umgehängten Mantel die Gestalt des Wachtpostens, die sich gemessenen Schrittes unterhalb des Erdwalls hin- und herbewegte.
Sie können sich nicht vorstellen, welche Freude es für mich ist, mit einem Menschen wie Sie zu sprechen! sagte Guskow zu mir, obgleich er mit mir noch nichts gesprochen hatte. Das kann nur der begreifen, der einmal in meiner Lage gewesen ist.
Ich wußte nicht, was ich ihm antworten sollte, und wir schwiegen wieder beide, obgleich er offenbar Lust hatte sich auszusprechen, und ich ihn anzuhören.
Wofür sind Sie ... Wofür haben Sie leiden müssen? fragte ich ihn endlich, da mir nichts Besseres einfiel, um das Gespräch zu beginnen.
Haben Sie nichts gehört von der unglückseligen Geschichte mit Metenin?