Zum Befehlshaber der Artillerie war es eine halbe Werst; der ganze Weg führte zwischen Zelten hindurch. Sobald ich mich aber von unserem Wachtfeuer entfernt hatte, wurde es so schwarz, daß ich nicht einmal die Ohren des Pferdes sah, nur das Flackern der Wachtfeuer, die mir bald ganz nahe, bald ganz fern erschienen, flimmerten vor meinen Augen. Ein kleines Stück ritt ich ganz wie mein Pferd wollte, dem ich die Zügel hängen ließ. Ich konnte nun die weißen, viereckigen Zelte unterscheiden, dann auch die schwarzen Spuren des Weges; in einer halben Stunde kam ich bei dem Befehlshaber der Artillerie an. Dreimal hatte ich nach dem Wege fragen müssen, und viermal war ich über die Pflöcke der Zelte gestolpert, wofür ich jedesmal Scheltworte aus dem Zelte zu hören bekam, und zweimal wurde ich von dem Posten angehalten. Während des Rittes hatte ich noch zwei Schüsse in unserem Lager gehört, aber die Geschosse hatten nicht bis zu dem Ort getragen, wo der Stab lag. Der Befehlshaber der Artillerie gab nicht den Befehl, die Schüsse zu erwidern, umsoweniger, als der Feind aufhörte, und ich machte mich auf den Heimweg, indem ich mein Pferd am Zügel hielt und mich zu Fuß zwischen den Zelten der Infanterie durcharbeitete. Oft verlangsamte ich meinen Schritt, wenn ich an einem Soldatenzelt vorüberkam, in dem ein Feuerschein leuchtete, oder lauschte auf eine Erzählung, die ein Spaßvogel vortrug, oder auf ein Buch, das ein Schriftkundiger vorlas, dem die ganze Abteilung, den Vorleser von Zeit zu Zeit durch allerlei Bemerkungen unterbrechend, in dichtem Haufen im Zelt und um das Zelt zusammengedrängt, zuhörte, oder auch nur auf die Gespräche über den Feldzug, über die Heimat, über die Vorgesetzten.

Als ich an einem der Bataillonszelte vorüberritt, hörte ich die laute Stimme Guskows, der sehr angeheitert und lebhaft sprach. Junge, ebenfalls lustige Stimmen, von vornehmen Herren, nicht von gemeinen Soldaten, antworteten. Es war offenbar das Zelt der Junker oder der Feldwebel. Ich blieb stehen.

Ich kenne ihn schon lange, sprach Guskow. Als ich in Petersburg lebte, hat er mich häufig besucht, und ich war oft bei ihm. Er hat in der besten Gesellschaft verkehrt.

Von wem sprichst du? fragte die Stimme eines Betrunkenen.

Von dem Fürsten, sagte Guskow. Ich bin ja doch mit ihm verwandt, und was die Hauptsache ist, wir sind alte Freunde. Es ist gut, meine Herren, einen solchen Bekannten zu haben, müssen Sie wissen. Er ist ja schrecklich reich. Hundert Rubel sind nichts bei ihm. Ich habe mir auch eine Kleinigkeit von ihm geben lassen, bis mir meine Schwester schickt.

Nun, so laß doch schon holen! ...

Sofort. Sawjelitsch, Täubchen! erklang die Stimme Guskows, immer mehr dem Zelteingang sich nähernd. Hier hast du zehn Moneten, geh' zum Marketender und bringe zwei Flaschen Kachetischen und ... was noch, meine Herren? Na! – Und Guskow trat schwankend, mit zerzaustem Haar, ohne Mütze, aus dem Zelt. Er schlug die Schöße seines Pelzrocks zurück, steckte die Hände in die Taschen seiner grauen Hose und blieb am Eingang stehen. Obgleich er im Lichte stand und ich in der Dunkelheit, zitterte ich doch vor Angst, er könnte mich bemerken, bemühte mich, jedes Geräusch zu vermeiden und ging weiter.

Wer da? schrie mich Guskow mit völlig trunkener Stimme an. Die Kälte hatte ihn offenbar ganz aus Rand und Band gebracht. Was für ein Teufel schleicht hier mit seinem Pferd herum?

Ich antwortete nicht und suchte schweigend den Weg.

Anmerkungen zur Transkription: