Ein französischer Stutzen, Euer Wohlgeboren, ich habe es einem fortgenommen. Ja, ich wäre auch nicht fortgegangen, wenn ich nicht diesen Soldaten hätte führen wollen, sonst fällt er, fügte er hinzu, indem er auf einen Soldaten wies, der ein wenig vor ihm ging, sich auf das Gewehr stützte und mit Mühe das linke Bein schleppend vorwärts bewegte.

Fürst Galzin schämte sich auf einmal sehr wegen seines ungerechten Verdachts. Er fühlte, wie er rot wurde, wandte sich ab und ging, ohne die Verwundeten weiter auszufragen oder zu beobachten, nach dem Verbandplatz.

Mit Mühe wand sich Galzin auf der Außentreppe durch die zu Fuß gehenden Verwundeten und durch die Krankenträger, die Verwundete brachten und Tote forttrugen, hindurch; dann ging er in das erste Zimmer, warf einen Blick hinein, wandte sich sogleich unwillkürlich zurück und eilte hinaus ins Freie – das war zu schrecklich!

VIII

Der große, hohe, dunkle Saal, nur von vier oder fünf Kerzen erleuchtet, bei deren Licht die Ärzte die Verwundeten besichtigten, war buchstäblich voll. Die Krankenträger brachten fortwährend Verwundete, legten sie nebeneinander auf die Diele, auf der es schon so eng war, daß die Unglücklichen sich stießen und einer in des andern Blute lag, und holten neue. Die auf den nicht besetzten Stellen der Diele sichtbaren Blutlachen, der fieberheiße Atem von einigen Hunderten Menschen und die Ausdünstungen der Träger erzeugten einen eigentümlichen, drückenden, dicken, übelriechenden Dunst, in dem die Lichte an den verschiedenen Enden des Saales trübe brannten. Stöhnen, Seufzen, Röcheln, bisweilen durch einen durchdringenden Schrei unterbrochen, erfüllte den ganzen Saal. Die »Schwestern« schritten mit ruhigen Gesichtern und mit dem Ausdruck thätiger, praktischer Teilnahme, nicht mit dem des wertlosen, frauenhaften, krankhaft-thränenreichen Mitleids, bald hierhin, bald dorthin durch die Reihen der Verwundeten mit Arznei, mit Wasser, mit Binden, mit Charpie, und tauchten zwischen blutigen Mänteln und Hemden auf. Die Ärzte knieten mit aufgestreiften Ärmeln vor den Verwundeten, in deren Nähe die Feldscher Lichte hielten, und untersuchten, befühlten, und sondierten die Wunden, ohne auf das schreckliche Stöhnen der Dulder zu achten. Einer der Ärzte saß in der Nähe der Thür an einem kleinen Tisch und trug in dem Augenblick, da Galzin ins Zimmer trat, bereits den 532ten Verwundeten in die Liste ein.

Iwan Bogajew, Gemeiner der dritten Kompagnie des S..-Regiments, fractura femuris complicata, rief ein anderer vom Ende des Saales her, indem er das zerschossene Bein befühlte. Dreh' ihn um.

O weh, Väterchen, mein liebes Väterchen! schrie der Soldat und flehte, man möchte ihn nicht anrühren.

Perforatio capitis!

Ssemjon Neferdow, Oberstleutnant im N..-Infanterieregiment. Sie müssen ein wenig Geduld haben, Oberst, sonst geht es nicht: ich lasse Sie sonst liegen, sprach ein dritter, indem er mit einem Häkchen in dem Kopfe des Oberstleutnants hin- und hertastete.