Eines Sonntags morgens taucht eine große englische Viermastbark auf, die zuerst ein Wettlaufen mit uns versucht, dann aber, als wir mit dem Motor nachhalfen und zu ihrem Erstaunen immer näher kamen, auf Befragen auch ihren Namen signalisiert:
»Pinmore.«
»Pinmore?« — —
Das Schiff, auf welchem ich als Leichtmatrose gefahren habe?! Im Augenblick, als ich dies hörte, ging es mir so nahe, daß ich zu meinem Offizier nichts äußern konnte. Dann dachte ich: Es hilft nichts, das Schiff muß versenkt werden. Es war für uns überhaupt immer ein Stich durchs Herz, ein Segelschiff zu versenken. Die Poesie des Meeres! Jeder Segler, der untergeht, kommt ja nicht wieder, da keine mehr gebaut werden.
Eindreiviertel Jahr Erinnerung arbeitet sich durch meinen Geist hindurch in diesem seltsamen Augenblick. Das Schiff drehte bei, das Prisenboot ging an Bord, das Schiff wurde ausgepackt, die Leute kamen an Bord und der Kapitän, Mister Mullen, betrat den »Seeadler« mit gutem Humor: »Wir haben Pech, ihr habt Glück!« Er war ein alter, unerschrockener Seemann und wurde die gute Laune für unseren ganzen Kapitänsverein. Als alle die »Pinmore« verlassen hatten, ließ ich mich hinüberfahren und das Boot wieder absetzen.
»... Eindreiviertel Jahr Erinnerung arbeitet sich durch meinen Geist hindurch.«
Meine Leute staunten: Was will der Kommandant dort allein an Bord?
Zuerst ging ich in das Logis, wo meine Koje war. Da befand sich noch ein Kojenbrett, das ich selbst angebracht hatte. So manche Nacht hatte ich hier geschlafen, war manche Nacht dort herausgeschlüpft, wenn es hieß: Alle Mann an Deck. Ich schritt die Planken ab, wo ich so oft gegangen war. Es tat weh, das Knacken der Rahen zu hören, denn das Schiff lag herrenlos und rollte hin und her, da es nicht mehr im Steuer lag. Es war, als wenn mich alles von oben anrief: Was hast du mit uns vor? Wo bist du so lange gewesen? Wo sind die Leute? Was willst du hier?