Ich sage: »Über die Sauberkeit und die gute Verpflegung als solche bin ich überrascht, aber auch gegen das besteingerichtete Zuchthaus muß ich protestieren.«

»Well, I shall see, what I can do for you.«

Endlich, nach 21 Tagen, durften wir das Zuchthaus verlassen. Um die Ausreißer ungefährlicher zu machen, wurden wir nun auf verschiedene Lager verteilt. Kircheiß und ich kamen nach River Island bei Lyttleton, in der kalten Zone Neuseelands, auf Fort Jervois, das einmal gegen die Russen gebaut worden ist. Das war der einsamste Punkt Neuseelands, den sie hatten ausfindig machen können.

Unsere Wohnräume dort waren von einem Bretterzaun umgeben, der uns von dem Fortshof trennte. Auf der Bretterwand befand sich eine Laufplanke für einen Wachtposten. Auch der ganze Himmel war uns mit Stacheldraht überzogen worden, damit wir nicht eines Nachts Flügel bekämen und fortflögen. Das Ganze war ein regelrechter Käfig. Fünfundvierzig Mann taten nichts weiter, als daß sie uns bewachten.

Unser Lagerkommandant war Major Leeming, ein echter Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle, ein Tasmanier. Er fühlte sich selber als halber Gefangener auf dem öden Inselchen und war bald unser dritter Mann beim Skat, den wir ihm beibrachten, um die langen Abende zu füllen. Mir fiel auf, daß die Menschen auf dieser frostigen Südinsel eine vornehmere Art hatten als die Auckländer. Unser neuer Generalstäbler war Oberst Chaffee, der früher Preisboxer gewesen war, mit einem Klappauge, das ihm einmal bei einem Boxmatch eingeschlagen worden war. Er zeigte sich so gründlich, daß er jegliche Änderung, und wenn es auch nur die eines Schilderhauses war, als Generalstabsaufgabe behandelte.

Die 119 Tage auf diesem Schloß am Meer waren bitter für einen Seemann. Er sieht dort immer das Wasser um sich, seine Heimat, sieht die Segelschiffe vorbeigleiten, die ihn an die vollen Segel seines »Seeadlers« erinnern, und es zieht ihn mächtig hinaus auf das Meer, zu den Kameraden. Dazu der endlose Stubenarrest, der nach den internationalen Abmachungen nicht länger als acht Tage hätte dauern dürfen!

So kamen wir darauf, Fluchtmöglichkeiten auszudenken. Ich fand folgendes heraus. Die Insel hatte eine Anlegebrücke, zu der vom Fort eine Zugbrücke führte, die hochgezogen den Zutritt versperrte. Der Orkan hatte einmal diese Brücke zerschlagen, und sie wurde nun ausgebessert. Gleichzeitig wurde der Fortshof geteert und die leeren Teertonnen standen herum. Eines Tages rollte zufällig ein solches Faß ins Meer, es trieb in das Fahrwasser und bei Ebbe hinaus auf die See. Da sehe ich, wie ein kleiner Küstenschoner kommt und die Tonne herausholt.

Nun wurde ich aufmerksam und stieß ein zweites Faß hinab, dem es wie dem ersten erging. Nun war mein Plan fertig.

Während der Mittagspause der Arbeiter machte ich von einer Tonne den Deckel los, schlug zwei große Nägel in Boden und Deckel und bog sie in Haken um. Ein kleiner, alter Bootsanker, der dalag, kam mir auch zupaß. Ich dachte: Du tust von außen die Fischleine in das Spundloch, nimmst Proviant und Wasser hinein, ziehst den Anker an der Leine vor und machst das Faß dicht, bindest den Deckel an den beiden Nägeln unten und oben an. Dann läßt du dich im Augenblick, wo aus Lyttleton ein kleiner Segler ausfährt, ins Wasser fallen und treibst an dem Fort vorbei, legst dich so, daß das Spundloch nach oben ist. Dann wollte ich mich verankern und warten, bis das Fahrzeug kam und das wertvolle Treibgut aufnahm. Hätte mich der Schiffer hochgezogen und an Deck geheißt, so hätte ich innen das Tau aufgeschnitten, den Deckel geöffnet und wäre wie der Teufel aus dem Kasten, mit dem Messer bewaffnet, Herr der Situation geworden. Die verblüfften drei Mann Besatzung hätten mich in die Südseeinseln fahren müssen und dort hätte ich mich von Insel zu Insel geschippert, bis ich eine Möglichkeit fand, als freier Mann zu leben.