»Ei freilich, sei nur heute abend um sechs am Ende der Pier, jetzt habe ich nicht mehr Zeit, ich muß an Bord.«

Ich stelle mich schon eine Viertelstunde früher ein, damit der Mann nicht umsonst dahin läuft, falls es eine Uhrdifferenz gibt. Er kommt und drückt mir ein deutsches Schwarzbrot in die Hand; wie wunderbar das tat! Ich biß ohne anzuschneiden hinein und dankte dem Mann. Er sagte gleich, ich sollte jeden Abend um sechs da sein, und ich sagte: »Was bist du für ein feiner Kerl!« Mehr konnte ich nicht sagen, aber da lag auch alles drin.

Ich ging wieder auf meinen Schlafplatz und arbeitete mein Schwarzbrot hinunter, Bissen für Bissen. Heimatshoffnung lag in dem Geschmack.

Am nächsten Tag gehe ich wieder hin: »Mensch, kannst du mir nicht eine Mütze besorgen, oder wenigstens ein paar Schuhe?« Er antwortete: »Morgen ist Sonntag, da kommst du an Bord.« Ich mochte nicht recht, aber er redete zu, und ich schleiche mich am Sonntag nachmittag um 3 Uhr wie ein Verbrecher hin. Da sitzen sie auf der Back und trinken Kaffee mit Kuchen! Da steht eine Kanone unter Segel. Ich versuche immer darunter zu schielen, um einmal eine Kanone zu sehen. Wie ich da so saß und recht befangen war, kam es mir vor, ich armer linkischer Kerl wäre in einem feinen Haus bei wohlhabenden Leuten.

Da geht der junge wachhabende Offizier über Deck, sieht mich sitzen. Die Leute springen auf und nehmen militärische Haltung ein. Auch ich stehe auf und versuche meinen Kohlenfußsack zu verdecken. Da ruft der Offizier: »Bootsmaat der Wache!«

»Herr Leutnant!«

»Schmeißen Sie mir das Individuum da von Bord und passen Sie ein andermal besser auf, daß solch Gesindel nicht an Bord kommt.«

Der Mann von der Wache kommt auf mich zu. »Machen Sie, daß Sie runter kommen!«

Die Leute, die mich schon etwas kannten, murmeln allerlei und einer raunt mir zu: »Filax, paß auf, du hast morgen feines Zeug!... Dem Leutnant klau ich seine Büx und seine Mütze, die hast du morgen.«

»Schmeißen Sie das Gesindel von Bord!« Das Wort klang in mir nach. Wie war mir zumute! Das hat mir Wunden gefressen! Wo ich Muttersprache hörte, wo ich unter deutscher Flagge war, nach der ich mich immer gesehnt hatte, und nun werde ich von dem Offizier, der mich sieht, da heruntergeworfen. Verbittert schlich ich mich nach der Pier, um von keinem mehr gesehen zu werden, und immer wieder klingt’s in meinem Ohr: »Schmeißen Sie das Gesindel von Bord!«