Darauf sagt der erstere: »Sie können ganz unbesorgt sein, mit Gegenständen meiner Mutter treibe ich keinen Betrug.«

»Ich habe nichts mit Ihnen zu tun, ich unterstütze den jungen Mann.«

Ich reiche dem Juwelier den Ring, der ihn von allen Seiten betrachtet und bemerkt: »Das Gold ist echt« und mir leise zuflüstert: »Fragen Sie mal, was er dafür haben will.«

»Was wollen Sie dafür haben?«

»Ach, 10 Mark.«

Der Juwelier erwidert mir flüsternd: »Der Kerl hat den Ring gestohlen.« Mit einer Lupe betrachtet er den Brillant und sagt: »Der Stein ist echt. Geben Sie dem Kerl ruhig das Doppelte und kommen Sie nach meinem Geschäft, ich gebe Ihnen das Zehnfache.«

Erfreut über das glänzende Geschäft greife ich schnell in die Tasche und reiche ihm 20 Mark. Dann entferne ich mich schnell aus der Menge in dem Glauben, mein Juwelier folgt mir. Erstaunt sehe ich mich um, als ich ihn nicht finde. Überall suche ich nach ihm, zuletzt auch nach dem, der mir den Ring verkauft hat. Keiner ist zu finden. Mißtrauisch betrachte ich nun meinen Ring. Um schließlich doch ganz sicher zu sein, da ich noch immer nicht verstehen kann, daß ich wirklich einem solchen Schwindel zum Opfer gefallen sein soll, gehe ich zu einem wirklichen Juwelier nach St. Pauli, der mir lächelnd sagt: »Echt ist der Ring nicht, aber für’n Taler ist er ganz gut gemacht.«

Tedje und ich schlendern weiter über den Hamburger Dom. Dutzendweise ertönen von beiden Seiten der Budenstraße her Verheißungen von noch nie dagewesenen Jahrmarktsfreuden. Plötzlich hören wir von einer Bude eine besonders klare, kräftige Stimme: »Kommen Se rinn, kommen Se rinn, hier ist zu sehen, was noch kein Mensch gesehen und gefressen hat.« Tedje fragt: »Wat hest du denn?« — »Hier ist zu sehen ein Kanarienvogel, der plattdütsch snakt.« — »Hast du gehört, Tedje, de möt ’n bannigen Baß hebben.« »500 Mark Belohnung, wenn der Vogel nicht plattdütsch snakt.« »Nu ward’ ja rieten« (nun wird’s ja reißen); den Vogel müssen wir doch sehen. Ein Haufen Menschen hat sich vor dem Eingang aufgestellt. Ein großer Teil zögert einzutreten, weil sie nicht recht wissen, ob es dummer Scherz ist, und lassen zunächst den Dummen den Vortritt. Wir gehen ’rein; die Vorstellung beginnt. Der Kanarienvogel im Bauer wird auf die Bühne gebracht mit der Bemerkung: »Gestatten Sie, meine Herren, daß ich Ihnen den Vogel vorstelle. Hans heet he.« »Ach wat,« schreit eine Stimme aus dem Hintergrund, »wi will nich weeten, wie he heet, wi will em snaken hören.« »Einen Augenblick, meine Herren! — Hans segg mol, wat sall ik smöken, ’ne Zigarre oder ’ne Pip?« Worauf der Vogel prompt antwortet: »Piiip.« »Meine Herren, he snakt platt.« Ein helles Gelächter rauscht durch das Zelt und die neugierige Menge derer draußen, welche die Klugen sein wollten, fragt die Heraustretenden: »Snakt he plattdütsch?« — »Ja, dat deit he, aber grotartig.« (Warum sollten wir die Dummen gewesen sein? Dieser famose Scherz sollte auch die andern überzeugen.) So ging es den ganzen Tag, wobei der Mann ein Bombengeschäft machte.

Der nächste Budeninhaber versprach, ein großes Rätsel zu zeigen und denen, die es rieten, das Eintrittsgeld zurückzuzahlen. Und wirklich, aus dem Innern der Bude läßt sich durch das Zelttuch immer wieder die laute Stimme eines Mannes hören, der anscheinend unter den Zuschauern herumgeht: »Richtig geraten, dreißig Pfennig zurück.« Hier scheint also nicht allzuviel gewagt. Die Heraustretenden, die wiederum nicht die Miene von Hereingefallenen aufsetzen, bestätigen, daß sie ihr Geld wiederkriegten. Die Bude wird getürmt voll. Wir bezahlen unsere dreißig Pfennig und treten ein. Vor jedem Platz steht ein Waschbecken, weiter nichts. Die Augen werden allen verbunden, dann kommt ein Mann, der einen Eimer trägt, in dem das Rätsel ist, und verlangt, daß man hineingreift. Flüsternd fragt er: »Was ist das?« »Pfui Teufel, Pech!« Worauf er laut ruft: »Richtig geraten, dreißig Pfennig zurück,« und dann mit leiser Stimme hinzufügt: »Händewaschen kostet fünfzig Pfennig.« Einer alten Dorffrau, die es absolut nicht raten konnte, hat der Spaß also achtzig Pfennig gekostet.

Nicht alle Betrügereien aber waren so harmlos wie die der kleinen Schiffer- und Bauernfänger auf dem Dom.