In Hamburg sollte wieder einmal mein Leben eine neue Wendung nehmen.

Wir lagen mit der »Möwe« auf der Vulkanwerft und bereiteten uns zu neuen Reisen vor. Eines Abends war ich an Land gegangen zu meinem Freund, dem Reeder Dalström. Wir unterhielten uns bei einer Flasche Schwedenpunsch im bequemen Ledersessel behaglich über meinen Lieblingsplan, nach Kriegsende mal ein paar Monate ein Segelschiff als Kapitän zu fahren, was mir noch nie zuteil geworden war. Da meldet das Dienstmädchen den Adjutanten der »Möwe«. Ärgerlich brumme ich: »Kaum ist man einmal in seinem Element, gleich wird man mit Dienst belämmert.« Es wäre ein dringendes Telegramm vom Admiralstab für mich da. »Was, Admiralstab? Wo de Kloken sitten? Was habe ich mit dem Admiralstab zu tun?«

Ich hätte mich morgen Nachmittag im Admiralstab zu melden.

In gespannter Erwartung geht es nach Berlin. Nirgends hat mein Herz mehr gepuppert, als damals im Vorzimmer des Kapitäns Toussaint in Erwartung der Antwort auf die Frage: Was sollst du im Admiralstab?

Endlich werde ich vorgelassen. »Trauen Sie sich zu,« ... (Was sollte ich mir nicht zutrauen?) ... »ein Segelschiff als Hilfskreuzer durch die englische Blockade zu bringen?«

»Darf ich Ihnen um den Hals fallen?« Das Schiff, das man vor dem Mast als Schiffsjunge und Matrose gefahren, das Schiff, das mein einziges Musloch gewesen war, jetzt als Kapitän fahren und dazu als selbständiges Kriegsschiff! Wie schnell war mein Herzenswunsch erfüllt.

»Was halten Sie für die Hauptsache?«

»Die Hauptsache ist Glück.«

»Na, dann sind Sie Kommandant der Pass of Balmaha

Die »Pass of Balmaha« war seinerzeit unter amerikanischer Flagge mit Baumwolle nach Archangelsk unterwegs gewesen, von einem englischen Kreuzer aufgegriffen und mit Prisenbesatzung nach Kirkwall zur Untersuchung geschickt, unterwegs aber von einem deutschen Unterseeboot angehalten worden. Der amerikanische Kapitän hoffte, als er das Unterseeboot sieht, sein Schiff als neutrales freizubekommen, verschließt die englische Prisenbesatzung in den Luken und läßt die Waffen über Bord werfen. Unsere U-Bootleute kommen an Bord. »Wo fahren Sie hin?« »Nach Archangelsk.« »Aber das ist doch nicht der Kurs nach Archangelsk. Was habt Ihr an Bord?« »Baumwolle.« »Die können wir auch gebrauchen.« Der deutsche Steuermann wird an Bord geschickt; er soll das Schiff nach Deutschland segeln. Die englische Prisenbesatzung macht unerkannt und unfreiwillig die Reise nach Cuxhaven, statt nach Kirkwall mit und steigt nach viertägiger Hungerkur blaßwangig aus den Luken hervor, zur größten Verblüffung des deutschen Steuermanns — Lamm heißt er —, der ganz allein die deutsche Kriegsmacht an Bord verkörpert hat. So war die »Pass of Balmaha« ein deutsches Schiff geworden, und nun war sie seit heute mein Schiff!