Warum wohl – ich hatte den ganzen Abend kaum zehn Worte gesagt und das meiste, was sie sprachen, nicht verstanden, zudem, wie Gerhard mir nachher sagte, einen schweren Fauxpas begangen, indem ich der Frau Professor sagte: ich sei sehr begierig, den Meister kennen zu lernen. – So etwas dürfe man nicht tun, – es wäre eine Art Gotteslästerung. Er pflege sich im dritten Zimmer aufzuhalten, und nur, wer würdig befunden sei, würde ihm vorgestellt; zum Beispiel jener verklärte Jüngling, der vorhin leise mit der Hausfrau sprach und dann plötzlich verschwand. – Das gehöre eben auch zur »Geste«.


Geste – Geste – was soll man darunter verstehen – wie war es noch? – die geistleibliche Urform alles Lebens. Hier wird ja überhaupt so viel vom »Leben« gesprochen, und immer so, als ob es durchaus nichts Selbstverständliches wäre, sondern gerade das Gegenteil. Aber gerade darin liegt wohl etwas, was reizt und anzieht – ich möchte ja selbst endlich einmal dahinter kommen, was es eigentlich mit dem Leben auf sich hat – ob es etwas ganz Selbstverständliches oder etwas ungeheuer Kompliziertes ist.

Heinz zum Beispiel tut ja, als ob er hier in diesem sonderbaren Stadtteil den Stein der Weisen gefunden hätte. Und mir ist, seit ich hier bin, zumut, als ob ich nur in Rätseln sprechen höre und mich zwischen lauter Rätseln bewege. Ich fühle mich ziemlich unglücklich, und in meinem Kopf ist es wirr und dunkel.

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Anmerkung

Hier sind mehrere Seiten herausgerissen, und statt dessen findet sich eine Anzahl fast unleserlicher Zettel mit Bleistiftnotizen. Dann folgt quer über die Seiten hingeschrieben ein Eintrag von Frauenhand:

– ich habe dieses Heft – Ihr Tagebuch, wie es scheint, offen auf dem Tisch gefunden und war so indiskret, etwas darin zu lesen. – Ja, Sie sind entschieden ein »wundervoller Mensch«.

Chamotte hat mich hereingelassen – sicher hat er es auch gelesen, denn er ist beunruhigt um Sie und beklagt sich, daß Sie in der letzten Zeit so sonderbar wären. – Ich habe es auch gemerkt und fange an es zu begreifen. Aber – du wirst mit deinem Singen – doch nicht zum Himmel dringen.