Sie gehen in die Küche hinüber – da steht Chamotte auf einem Tisch, nur mit einer roten Badehose bekleidet, und der Henker ist damit beschäftigt, ihn von oben bis unten schwarz anzustreichen. Nur das eine Bein ist noch weiß, der arme Junge bietet einen merkwürdigen Anblick und wird etwas verlegen, als er seinen Gebieter sieht.

»Wenn ihm nur die Farbe nicht schadet« – meint Susanna mütterlich besorgt – »wir haben ihm ein anderes Kostüm vorgeschlagen, aber er wollte durchaus ein richtiger Sklave sein.«

»Das ist meine Biographie,« bemerkt Chamotte bescheiden.

»O Chamotte, du bist zum Wahnmochinger geboren,« sagt Susanna.

»Adrian, – Sie schauen ihn so verzückt an, als ob Sie ein Gedicht machen wollten, – vielleicht das Gedicht, das Ihnen endlich den Eintritt zum Tempel verschafft.«

Adrian, der Herr mit dem Zwicker, der sich in eine Toga hüllt und trotzdem aussieht, als ob er eigentlich in den Frack gehörte – lächelt arrogant und beginnt sofort in feierlich getragenem Ton zu improvisieren:

Der schwarze Sklave, der den Becher trug,
Empfing die Farbe aus des Henkers Hand;
Er hieß Chamotte – – –

Das Weitere habe ich nicht behalten – man erzählte mir, daß Adrian an einem Gedichtband arbeitet und danach strebt, unter die Auserwählten des Hoffmannschen Kreises aufgenommen zu werden. Aber bisher habe er sich seine Chancen immer wieder durch irgendeine Unvorsichtigkeit verdorben.

Ich fand ihn sehr liebenswürdig – munter und gesprächig – und er hat wohl auch Herz. Auf dem Wege zum Fest saß ich mit ihm und Maria im Fiaker. Sie dachte noch über meinen Namen nach, und wir sprachen darüber. Ich sagte, daß ich Chamotte beneide – wie fröhlich und selbstverständlich kann einer durch die Welt gehen, wenn er so gerufen wird; er tut sich leicht mit seiner Biographie. Chamotte, – das klingt so, als ob ihm die reifen Früchte von selbst aus den Bäumen herabfallen müßten – und obendrein ist es nicht einmal sein wirklicher Name.