»Gemach, gemach,« antwortete Sendt mit Ruhe, »haben Sie mich nicht selbst dazu verurteilt, Herrn Dame zu belehren, damit er ruhig schlafen kann? Und war er nicht heute zum erstenmal auf einem Wahnmochinger Jour mit kosmischen Gesprächen?«
»Zum zweitenmal,« bemerkte ich, »aber damals sprach man nur über die Geste, und ich entsinne mich jetzt, daß sie ebenfalls als Urform des Lebens bezeichnet wurde.«
Der Philosoph lobte mich und sagte: übrigens, wenn dort von der Geste gesprochen würde, so meine man immer nur die Geste des Meisters oder vielleicht noch die seiner verehrenden Anhänger.
»Er tut sich leicht,« meinte Maria, »seine Geste ist einfach das dritte Zimmer,« und Sendt erklärte, sie habe ausnahmsweise etwas Richtiges gesagt. Sie war sehr stolz darauf und versprach sich noch ein wenig zu gedulden.
»Wo waren wir stehen geblieben?« fragte der Philosoph und warf einen Blick in mein Notizbuch – »ah richtig – Chthon der dunkle Schoß der Erde – Das ältere Heidentum neigte dazu, sich die schöpferische Urkraft blind gebärend vorzustellen – Wahnmoching schließt sich ihm an, der Hetärismus gilt ihm als das Höchste, – Urschauer, die noch durch keine molochitisch rationalen Hemmungen geschwächt sind.
Die spätere Zeit erkannte das Licht der Vernunft als göttlich an und dachte sich das schöpferische Prinzip als männlich und zeugend. Man nennt sie deshalb die patriarchale, und Wahnmoching schätzt sie ziemlich gering ein.
Es wird Ihnen deshalb ohne weiteres einleuchten, daß man das Dionysische stark betont, gerade jetzt im Fasching haben Sie öfters Gelegenheit, das zu beobachten.«
Ja, es war mir schon aufgefallen, daß die kappadozische Dame Hofmanns Tanzweise für dionysisch erklärte.
»Sehr richtig,« bemerkte Sendt, »Apollo ist bekanntlich der Gott des Lichtes, der Vernunft – Dionysos der des Rausches und des Blutes – Auch in Wahnmoching hat man nicht umsonst seinen Nietzsche gelesen, aber es genügt hier, zu wissen, daß es ehrenhafter ist, mit dem Dionysos auf vertrautem Fuß zu stehen.«