Merkwürdige Dinge kamen da zur Sprache – eine ältere Dame erzählte: man (anscheinend Mitglieder jenes Kreises) wäre bei einer Art Wahrsager – einem sogenannten Psychometer – gewesen, und es sei unbegreiflich, wie dieser Mann durch bloßes Befühlen von Gegenständen den Charakter und das Schicksal ihrer Besitzer zu erkennen wisse – ja, bei Verstorbenen sogar die Todesart.

»Es ist ganz ausgeschlossen,« so sagte sie, »daß er über irgend etwas Persönliches im voraus orientiert sein konnte und – –« »Aber Sie müssen doch zugeben, daß er manchmal versagt,« fiel der Dichter mit der violetten Krawatte ihr ins Wort – – »in bezug auf den Meister hat er sich schwer geirrt. Und gerade das ist sehr interessant und bedeutungsvoll, denn es zeigte deutlich, daß er die Substanz des Meisters wohl fühlte, nicht aber beurteilen konnte – –«

»Wieso?« fragte einer von den Herrn, der nicht dabei gewesen war. Der Dichter maß ihn mit einem überlegenen Blick und wandte sich wieder an die Dame, die zuerst gesprochen hatte:

»Sie haben es ja selbst gehört – er bezeichnete sie als unecht und theatralisch – und weshalb – weil er eben nicht ahnte, um wen es sich hier handelt – weil er sich die hier verwirklichte Größe aus seinem engen Gesichtskreis heraus nicht vorstellen konnte. So half er sich mit der These des Theatralischen darüber hinweg. – Für uns nur wieder eine neue Bestätigung, wie wenige der Erkenntnis des einzig und wahrhaft Großen würdig sind.«

Die Dame hatte beide Ellbogen auf den Tisch gestützt und hörte mit leuchtendem Blick zu:

»Ja, ja, so ist's, wir fühlten es ja auch alle – aber wie klar und schön Sie es jetzt ausgelegt haben.«

»Es ist so klar, daß es kaum noch einer Auslegung bedurfte – zudem hatte der Meister den bewußten Ring erst seit einem Jahr getragen, und seine Substanz war zweifellos noch mit fremden früheren Substanzen gemischt – das mußte die Beurteilung bedeutend erschweren.«

Darauf entstand eine Pause, und dann sagte die Dame sehr nachdenklich:

»Hören Sie, vielleicht liegt es noch einfacher – ich habe diesen Mann schon lange im Verdacht, daß er schwarze Magie treibt, und dann läge es wohl nahe, daß er alles wirklich Große und Schöne hassen – innerlich ablehnen muß. Und wiederum – daß der Meister nach jener Äußerung die Gesellschaft verließ, beweist doch stärker wie alles andere, daß er sich mit etwas Unlauterem in Berührung fühlte und sich dem entziehen mußte.«