Aber Maria hatte ihren großen Moment, sie sagte, nein, das könne sie nicht.

Dann hatten wir ihretwegen noch schwere Stunden zu überstehen. Sie entschloß sich am Abend noch einmal zu Hallwig zu gehen und ihn zur Rede zu stellen, so kalt und offiziell, durch einen Brief von fremder Hand wollte sie nicht mit diesem Teil ihres Lebens abschließen. Äußerlich war sie sehr ruhig, trotzdem fühlte man, daß eine furchtbare Spannung in ihr war, und Chamotte erzählte uns später, sie habe vor dem Fortgehen einen von Orlonskis spanischen Dolchen von der Wand genommen und zu sich gesteckt.

Gegen Mitternacht kam sie zurück, warf den Dolch auf den Tisch und sagte: »Nein – es ist nichts daraus geworden, es war die ganze Zeit jemand im Nebenzimmer. Und überhaupt – man stellt sich das doch anders vor – –«

Mehr erfuhren wir nicht über diese letzte Unterredung. Daß wir das alles so selbstverständlich und ohne besondere Verwunderung hinnahmen, – bei den unheimlichen Gerüchten, die seit der Affäre Konstantin und seit den letzten Ereignissen umgehen, haben selbst die nüchternsten Köpfe sich gewöhnt, nichts mehr für unmöglich oder untunlich zu halten.

So kam dieser Tage Hofmann zu mir, wir machten einen längeren Spaziergang, und er sprach auch über dieses Thema. Ich wunderte mich erst darüber, aber er sagte, man halte mich für durchaus vertrauenswürdig, – er selbst habe von Anfang an dieses Gefühl gehabt.

Und seine Mitteilungen – nun, er vermutet, und mit ihm seine nächsten Freunde, daß von Hallwigs Seite Entsetzliches gegen ihn geplant wird: man werde ihn vielleicht auf mysteriöse Weise verschwinden lassen, seinen Geist verwirren oder ihn ums Leben bringen.

»Aber lieber Professor, das ist doch nicht so einfach,« wandte ich ein. Er sah mich von der Seite an:

»Einfacher vielleicht, als Sie glauben, Herr Dame, – wissen Sie, daß jener Petersen kürzlich geäußert haben soll, er wisse siebenundzwanzig Arten, wie man einen Menschen unbemerkt aus der Welt schaffen könne? Und denken Sie nur an den Fall Konstantin: sicher wurde auch dabei Ähnliches beabsichtigt. Es gibt heidnische Ritualmorde, die vor allem an Verrätern vollzogen werden – und man hält mich ja dort für einen Verräter – mich« – lachte er bitter auf – »mich, der für unsere Sache freudig sein rotestes Herzblut hingegeben hätte!«

»Davon sind wir alle überzeugt,« sagte ich tröstend.