"Meine Gemahlin möchte ein wenig die Leitung in die Hand nehmen, wie es scheint," sagte er, als die Kaiserin das Cabinet verlassen hatte, langsam auf- und niederschreitend. "Sie hat bereits diesen Ollivier, der eifrigst Alles thut, was sie will. Sie hat Recht, er würde auch den Krieg predigen, wie er schließlich Alles vertheidigen würde, was ihm Gelegenheit giebt eine schöne Rede zu halten und seinem Ehrgeiz und seiner Eitelkeit schmeicheln zu lassen. Nun will sie auch noch Grammont.—Grammont ist kein Ollivier, er ist ein edler und ritterlicher Charakter, aber sein Geist hastet an der Oberfläche der Dinge. Es ist ihm unmöglich, sich in die Ursachen und Consequenzen der Ereignisse zu vertiefen. Grammont und Ollivier würden den Krieg machen, das ist wahr.—Sie würden auch in einem augenblicklichen Elan den Nationalgeist mit sich fortreißen. Aber wohin würde dieser Krieg führen? Würden jene Männer im Stande sein, im Falle des Unglücks den Widerstand zu organisiren, die Nation um mich fest zu halten?—
"Nein, nein," sagte er mit fest entschlossener Stimme, "noch sehe ich die augenblickliche Nothwendigkeit einer kriegerischen Action nicht ein.—Sie wird freilich täglich näher an mich herantreten," sprach er seufzend, "und entziehen werde ich mich ihr nicht können. Dann aber soll wenigstens die Leitung der Angelegenheiten in festen und entschlossenen Händen liegen.—
"Ich will mit Drouyn de L'huys sprechen.—Er hat auch gewisse Beziehungen zwischen den Orleans," sprach er leise in tiefen Gedanken, "aber immerhin ist er ein ehrlicher, fester, entschiedener Mann, der es versteht das durchzuführen, was er beginnt—Eugenie liebt ihn nicht, ich weiß es. Aber auf persönliche Neigung oder Abneigung meiner Gemahlin kann es in einer so ernsten Frage, bei welcher die ganze Existenz des Landes auf dem Spiel steht, nicht ankommend."
Er bewegte die Glocke.
"Ich will ausfahren," sprach er zu dem eintretenden Kammerdiener.—"Große Attelage, offene Kalesche! Ist der General Favé da?"
"Der General wartet im Vorzimmer."
"Führen Sie ihn herein!"
Der Kammerdiener öffnete die Thür.
Der General Favé im schwarzen Morgenanzuge trat ein.
Der Kaiser ließ sich seinen Hut und einen warm gefütterten Morgenanzug reichen, nahm ein spanisches Rohr und stieg, sich leicht auf den Arm des Generals stützend, die Treppe hinab. Die offene Kalesche mit dem schwarzen Viergespann fuhr unter das Zeltdach des Einganges.