"Ich sehne mich Sie zu sehen, mein lieber Herr Drouyn de L'huys," sagte der Kaiser, seinem frühern Minister die Hand reichend, die dieser ehrerbietig ergriff. "Da Sie sich selten in die Tuilerien machen, so muß ich wohl zu Ihnen kommen."
Herr Drouyn de L'huys war dem Kaiser vorgeschritten.
Sie traten in den großen Empfangssalon.
"Madame Drouyn de L'huys wird sogleich bereit sein, vor Eurer Majestät zu erscheinen, sie ist noch mit ihrer Toilette beschäftigt."
"Ich bitte Sie," sagte der Kaiser, "Ihre Gemahlin nicht zu derangiren. Lassen Sie uns in Ihr Cabinet gehen, ich möchte ein wenig mit Ihnen plaudern. Der General wird die Güte haben mich hier zu erwarten."
Drouyn de L'huys verneigte sich und führte den Kaiser durch ein kleines Vorgemach in sein Arbeitszimmer, dessen Fenster durch Vorhänge von dunkelgrüner Seide zur Hälfte verhüllt waren und dessen ganze Ausstattung in einem großen Tisch von Eichenholz, einigen großen Fauteuils und auf verschiedenen Consolen aufgestellten Antiken, Kunstwerken von Marmor oder Bronce bestanden. In einem schön gearbeiteten Kamin brannte ein helles Feuer.
Napoleon legte seinen Ueberrock ab und ließ sich, indem er fröstelnd zusammenschauerte, in einen tiefen Lehnstuhl vor dem Kamin nieder.
Drouyn de L'huys nahm auf seine Einladung neben ihm Platz und erwartete schweigend die Anrede seines Souverains, der einige Augenblicke in sinnendem Nachdenken auf die züngelnde Flamme blickte.
"Die Lage ist ernst, mein lieber Herr Drouyn de L'huys," sagte Napoleon endlich, indem er, wie einen raschen Entschluß fassend, sofort auf den Gegenstand einging, der seine Gedanken beschäftigte,—"die Lage ist ernst, und ich muß darauf denken, sie zu verbessern. Denn," fügte er halb scherzend, halb wehmüthig hinzu, "die Zeit respectirt die Kronen und den Purpur nicht. Ich werde alt und immer älter und bevor ich aus diesem irdischen Leben scheide, muß ich meine Angelegenheiten ordnen und mein Haus bestellen. Mein Haus aber ist Frankreich. Sie sind so lange der Hüter dieses Hauses gewesen, daß ich in dem ernsten Augenblick, in dem wir uns jetzt befinden, bei Niemandem besser Rath finden kann als bei Ihnen."
Drouyn de L'huys verneigte sich schweigend, keine Miene seines Gesichts
zeigte die geringste Bewegung; in seinen Zügen lag nur die ehrerbietige
Aufmerksamkeit auf das, was der Kaiser ihm sagen würde, aber keine
Neugierde, keine Spannung es zu vernehmen.