"Mein Gott, Fräulein Anna," rief er, "welche Qual macht mir das sonnige Glück, das Sie mir zeigen, und nach welchem ich doch," fügte er dumpf hinzu,——"nach welchem ich doch die Hand nicht ausstrecken darf.—Glauben Sie," fuhr er nach einem augenblicklichen Stillschweigen fort, "daß, wenn mein Stolz sich Ihnen gegenüber beugen könnte, glauben Sie, daß Ihr Vater jemals einen armen aussichtslosen Officier, den er," sagte er bitter, "wohl als Staffage für seine Gesellschaftssalons benutzt—als Bewerber um seine Tochter annehmen würde?"

"Und glauben Sie," erwiderte sie schnell, indem ihr sonst so weicher Blick hell aufleuchtete, "daß ich nicht die Kraft und den Muth haben würde, auch für meinen Willen und mein Glück zu kämpfen?"

Der Cotillon hatte seinen Fortgang genommen. Ein kleiner Tisch mit reizenden frischen Bouquets stand in der Mitte des Saales. Die Herren vertheilten dieselben an die Damen. Der Ball befand sich auf dem Höhepunkt seines Interesses für die junge Welt, während die älteren Herren nur noch mühsam und gezwungen ihre Gespräche fortsetzten, und die Mütter an den Wänden des Tanzsaals nur noch in lethargischer Unbeweglichkeit gleichgültig und starr auf die Touren des Cotillons hinblickten.

Der Referendarius von Rantow, welcher an dem Tanz nicht Theil genommen, trat zu dem Blumenkorb, nahm ein kleines zierliches Bouquet von Veilchen und Rosenknospen und brachte es der schönen Tochter des Hauses.

Als Fräulein Cohnheim nach der Tour zu ihrem Platz zurückkehrte, sprach der Lieutenant von Büchenfeld, welcher mit finstern Blicken die tanzenden Paare verfolgt hatte:

"Sehen Sie, Fräulein Anna, von allen Seiten werden sich die Bewerber um Sie drängen, und zwar Bewerber, welche in den Augen Ihres Vaters so unendlich weit über mir stehen müssen. Und auch Sie," fuhr er leise fort, "werden endlich unter allen diesen glänzenden jungen Leuten, welche Sie umschwärmen, mich vergessen müssen, da ich ja mit jenen Allen den Vergleich nicht aushalten kann."

Sie blickte ihn einen Augenblick groß und sinnend an, dann schüttelte sie langsam den Kopf und mit einer raschen Bewegung reichte sie ihm das kleine Bouquet, welches Herr von Rantow ihr soeben gebracht hatte.

"Wie schlecht kennen Sie mich," sagte sie, "wie ich Ihnen diese Blumen gebe, so möchte ich Alles, was mir das Leben an Blüthen bietet, nur dazu benutzen, um Ihnen Freude zu machen."

Er nahm die kleinen Blumen und drückte sie wie begeistert an seine
Lippen. Ehe er antworten konnte, traten andere Herren heran, und in den
folgenden Touren des Cotillon wurde Fräulein Cohnheim als die gefeierte
Tochter des Hauses so sehr in Anspruch genommen, daß ein ruhiges
Gespräch nicht mehr möglich war.

Der Tanz war zu Ende. Langsam führte Herr von Büchenfeld Fräulein
Cohnheim zu ihrer Mutter zurück. Als sie am Ende des Saales angekommen
waren, hielt das junge Mädchen ihn durch einen festen und energischen
Druck ihrer Hand zurück.